ſtand er halb auf und ſagte mit ſauerſüßer Stimme zum Cardinal: „Ich will Ewr. Eminenz nicht bitten, Richter zu ſein zwiſchen Sr. Ehrwürden, dem Pater Rodin, und mir. Unſer General hat geſprochen, und ich habe gehorcht. Aber da Ewr. Eminenz bald unſern Vorgeſetzten wiederſehen wird, ſo wünſchte ich, Sie möchten die Gnade haben, ihm treulich die Antworten zu hinterbringen, welche S. Ehrwürden, der Pater Rodin, auf einige Fragen von mir gibt.“
Der Cardinal verneigte ſich. Rodin ſah den Marquis mit der Miene des Erſtaunens an und ſagte kurzweg: „Das iſt eine abgemachte Sache. Wozu dieſe Fragen?“
„Nicht um mich zu rechtfertigen, ſondern um vor Sr. Eminenz die Sachlage klar zu machen.“
„Nun dann ſprechen Sie — und vornehmlich keine un⸗ nöthigen Worte!“ verſetzte Rodin, zog ſeine große ſilberne Uhr heraus, ſah auf dieſelbe und ſagte: „In zwei Stunden muß ich zu Sanct Sulpiz ſein.“
„Ich werde mich ſo kurz wie möglich faſſen,“ ſagte Aigrigny mit verhaltenem Unwillen. „Als Ewr. Ehrwürden glaubte, Ihre Wirkſamkeit an die Stelle der meinigen ſetzen zu müſſen, indem Sie, wohl ſehr ſtreng, meine Führung der mir anver⸗ trauten Sache tadelten, da — — ich geſtehe es offen — ſchwebte dieſe Sache in großer Gefahr — — —“
„Schwebte in Gefahr?“ wiederholte Rodin ſpöttiſch. „Sagen Sie, ſie war verloren. Denn Sie hatten mir befohlen, nach Rom zu ſchreiben, man müſſe alle Hoffnung aufgeben.“
„Das iſt die Wahrheit,“ geſtand der Marquis.
„Mithin,“ fuhr Rodin ſpöttiſch fort, „war es ein von den — — beßten Aerzten aufgegebener Kranker, dem ich übernommen habe das Leben zu retten. — Weiter!“ Und er ſteckte beide Hände in ſeine Hoſentaſchen und ſah dem Mar⸗ quis feſt ins Auge.
Der Pater Aigrigny fuhr fort: „Ewr. Ehrwürden hat mich hart getadelt, nicht darum, daß ich geſucht habe, durch alle möglichen Mittel wieder zu dem Vermögen zu kommen, welches ſchändlicher Weiſe unſerer Geſellſchaft entwendet war — — —
„Alle Ihre Caſuiſten ſprechen Ihnen mit Recht die Befugniß zu, es zu thun,“ bemerkte der Cardinal. „Die Beweisſtellen
vn. 7


