Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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um einer nach dem andern, zu grüßen, einige Minuten neben dem Wagen her zu reiten und ſo Gelegenheit zu er⸗ halten, das Fräulein von Cardoville zu ſehen und vielleicht zu hören. Adriana erfüllte dieſe Wünſche, indem ſie wie gewöhnlich mit Geiſt und Anmuth ſprach. Da erreichte die Ueberraſchung und das Entzücken ſeinen Gipfel. Was man anfangs als tolle Wunderlichkeit getadelt hatte, wurde jetzt eine bezaubernde Originalität. Hätte Adriana gewollt, ſo wäre ſie vyn dieſem Tag an für die Königin der Zierlichkeit und der Mode erklärt worden. Sie erkannte recht gut den Eindruck, den ſie machte. Sie fühlte ſich glücklich und ſtolz in dieſem Bewußtſein, indem ſie an Dſchalma dachte, — um ſo glücklicher, wenn ſie ihn mit dieſen Modeherrchen verglich. Dieſe jungen Leute, welche zum größten Theil nie Paris verlaſſen oder ſich höchſtens bis nach Neapel oder nach Baden gewagt hatten, kamen ihr wie Schattenmenſchen vor neben Dſchalma, der, ſo jung er war, vielmal ſchon an der Spitze von Heeren ſiegreich gekämpft hatte in blutigen Kriegen, ſo daß der Ruf von ſeiner Tapferkeit und heldenmäßigen Großmuth, die von Reiſenden geprieſen ward, aus Indien bis nach Paris gedrungen war. Und die Zierlichſten dieſer Herr⸗ chen mit ihren Hütchen, ihren verzwickten Röckchen und ihren großen Eravatten — konnten ſie ſich irgend meſſen mit dem indiſchen Königsſohn, deſſen anmuthvolle männliche Schön⸗ heit noch erhöht ward durch die Pracht einer ſo reichen und moleriſchen Kleidung?

Alles war ſonach an dieſem Tage für Adrianen Glück, Freude und Liebe. Die Sonne, am hellen, reinen Himmel untergehend, überfluthete den Spazierplatz mit dem Gold ihrer Strahlen. Die Luft war lau. Die Wagen kreuzten ſich in allen Richtungen. Reiter auf ſtattlichen Roſſen ſprengten hin und her. Ein ſanftes Lüftchen ließ die Schärpen und Hutfedern der Frauen flattern. Kurz, überall war Licht und Leben und Bewegung. Adriana, in ihrem Wagen zurückge⸗ lehnt, fand ein Vergnügen daran, dieſen Strudel des pariſer Lurus vor ihren Augen ſchillern zu ſehen. Aber inmitten dieſes glänzenden Wirrwarrs ſah ſie in Gedanken das ſchwer⸗ müthige, ſanfte Geſicht Dſchalma's. Plötzlich fiel etwas auf ihre Knie. Sie fuhr zuſammen und erblickte einen Strauß