Da leſen Sie — laut. Ich ſage Ihnen, ich kann bis morgen warten.“ Sie deutete dem Grafen eine Stelle an, duckte ſich dann gewiſſermaßen auf ihrem Sofa nieder, ſtützte die Hände auf das Kiſſen und das Kinn auf die Hände, richtete ihre großen Augen wie anbetend auf den indiſchen Bacchus und ſchien in dieſer leidenſchaftlichen Betrachtung ſich auf die Vor⸗ leſung vorbereiten zu wollen. Der Graf ſah das Fräulein erſtaunt an. Sie ſagte ihm im einſchmeichelndſten Ton: „Nur recht langſam! ich be⸗ ſchwöre Sie.“
„ Herr von Montbron las folgende Stelle aus dem Tagbuch eines Reiſenden in Indien:
„ . . Als ich mich im Jahr 1829 zu Bombay befand, ſprach man in allen engliſchen Geſellſchaften von nichts anderem, als von einem jungen Helden, dem Sohn . . 4 Der Graf ſchien an dem Namen von Dſchalma's Vater
zu buchſtabiren. Adriana ergänzte raſch: „Sohn des Kadſcha Singh.“ „Welches Gedächtniß!“ ſagte der Graf lächelnd und fuhr fort zu leſen: „ „ von einem jungen Helden, Sohn des Kadſcha eingh, Königs von Mendi. Von einem fernen, blutigen Kriegszug in das Gebirg war Oberſt Drake zurückgekommen voll Begeiſterung für Dſchalma, den Sohn Kadſcha Singh 1 Dieſer, kaum dem Knabenalter entwachſene Prinz hat dieſem erbitterten Krieg eine ſo ritterliche Une heit, eine ſo edle Sinnesart bewieſen, daß man ſ Vater den Beinamen Vater des Hochherzigen g geben hat.“ * „Dieſer Gebrauch iſt rührend,“ bemerkte der Graf. Einen Vater damit gleichſam belohnen, daß man ihm einen für 2 ſeinen Sohn rühmlichen Beinamen gibt, das iſt großartig. — Aber wie wunderbar iſt es, daß dies Buch Ihnen in die Hände gekommen iſt! Ich begreife, wie dies das kälteſte Ge⸗
müth aufregen kann.“
„Sie werden ſehen, Sie werden ſehen!“ ſagte Adriana. 8 Der Graf las weiter: „ . . Oberſt Drake⸗einer der tapferſten und beßten
Officiere des engliſchen Heeres ſagte geſtern in meiner


