Teil eines Werkes 
7. Band (1845)
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Zweites Kapitel. Das Geheimniß.

Wenige Tage näch der Entführung Roſe Pompon's durch Nini Moulin ſaß Adriana von Cardoville in träumeriſchem Sinnen in ihrem mit dunkelgrünem Lampas ausgeſchlagenen Arbeitszimmer, worin ein großer mit ehernen Karyatiden ge⸗ ſchmückter Bücherbehälter von Ebenholz ſtand. Ein Blick in dies Zimmer ließ errathen, daß das Fräulein in der Kunſt Zerſtreuung ernſter und trauriger Gedanken geſucht hatte. Neben einem offenen Clavier ſtand eine Harfe vor einem Muſikpult. Auf einem Tiſch lagen Paſtell⸗ und Aquarell⸗ farben und mehre Pergamentblätter mit lebhaft colorirten Stizzen, meiſt aſiatiſche Landſchaften in der ſtärkſten Beleuch⸗ tung der Sonne des Morgenlandes vorſtellend.

Treu ihrer Laune, ſich zu Hauſe maleriſch zu kleiden, glich Adriana an dieſem Tage einem der ſtolzen Vilder von Ve⸗ lasquez. Ihr Kleid von ſchwarzem Mohr hatte einen falten⸗ reichen Rock, einen ſehr langen Leib und Aermel mit Schlitzen von roſenfarbenem Satin, die mit kleinen Gagatperlen ein⸗ gefaßt waren. Eine ſteife ſpaniſche Halskrauſe ging faſt bis ans Kinn herauf und war mit einem breiten Roſaband ſchein⸗ bar um den Hals befeſtigt. Die Enden des Bandes fielen auf den keilförmigen Spalt des Leibchens herab, der bis zum Gürtel herunter mit einer Schnur von Gagatperlen auf einem Grund von Roſaſatin geſchnürt war. Dieſe ſchwarze Kleidung mit weiten glänzenden Falten, gehoben durch Roſenfarbe und glänzenden Gagat, ſtand im ſchönſten Einklang mit der blendenden Weiße ihrer Haut und mit dem Gold ihrer bis auf den Buſen herabwallenden Locken.

Sie ſaß halb liegend auf einem mit grünem Lampas über-