Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
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nen. Nach einem Augenblick des Schweigens erwiderte er

Achtes Kapitel. . Die Sympathie.

Wenn das Fräulein von Cardoville noch irgend einen

Zweifel über die Ergebenheit Rodins hätte hegen können,

ſo würde derſelbe haben ſchwinden müſſen vor der leider ganz natürlichen und unwiderleglichen Betrachtung: Wie iſt zu vermuthen, daß das geringſte Einverſtändniß ſtattfinde zwiſchen dem Abbé Algrigny und ſeinem Secretär, während dieſer das Getreibe ſeines Herrn vollſtändig enthüllt und ihn dem Gericht überliefert? und während Rodin darin viel⸗ leicht weiter geht, als Adriana ſelber gethan haben würde? Welche geheime Abſicht wäre ihm dabei zuzuſchreiben? Höch⸗ ſtens die, ſich den vortheilbringenden Schutz eines reichen Mädchens zu erwerben. Und auch gegen dieſe Annahme hatte er ſich verwahrt mit der Erklärung, daß ſeine Erge⸗ benheit nicht dem ſchönen, vornehmen, reichen Fräulein ge⸗ widmet ſey, ſondern dem Mädchen von ſtolzem, edlem Sinn. Ausdrücklich hatte er geſagt, daß nur ein erbärmlicher Menſch bei dem Schickſal Adriana's theilnahmlos hätte bleiben kön⸗ nen. Ein eigenthümliches Gefühl, eine ſeltſame Miſchung von Neugier, Ueberraſchung und Theilnahme, verband ſich mit der Dankbarkeit Adrianens gegen Rodin. Indeß bei der Erwägung, daß Rodin unter ſeiner beſcheidenen Hülle einen ausgezeichneten Geiſt berge, kam ihr plötzlich ein ſchwe⸗ rer Argwohn in den Sinn: „Werther Herr,“ ſagte ſie, „gegen Leute, die ich hochſchätze, geſtehe ich immer die bösartigen Zweifel, welche ſie in mir erwecken, damit ſie ſich rechtfer⸗ tigen und mich entſchuldigen, wenn ich mich irre.“ Rodin ſah das Fräulein betroffen an und ſchien zuſam⸗ menzurechnen, wodurch er ihr habe Verdacht einflößen kön⸗