Fünftes Kapitel. Die Ra h ſüch l ige
Adriana von Cardoville war noch enger eingeſchloſſen wor⸗ den im Haus des Doetor Baleinier ſeit dem zwiefachen Be⸗ freiungsverſuch Agricola's und Dagobert's, nach deſſen Miß⸗ lingen der Soldat nur mit dem unerſchrockenen Beiſtand Agricola's und Freudenſtörers wieder die kleine Thür des Kloſtergartens hatte erreichen und mit ſeinem Sohn über den äußeren Boulevard hatte entfliehen können.
Es hatte eben vier Uhr geſchlagen. Seit dem vorigen Tag war Adriana in ein Zimmer des zweiten Stockwerks im Krankenhaus gebracht worden. Das Fenſter war hier vergittert und auswendig mit einem Wetterdach verſehen, ſo daß nur ein ſchwaches Licht in dies Zimmer fiel.
Seit ihrer Unterredung mit der Mayeur war Adriana ſtündlich darauf gefaßt, durch Vermittlung ihrer Freunde be⸗ freit zu werden. Aber ſie empfand eine ſchmerzliche Unruhe in Betreff Agricola's und Dagoberts, da ſie durchaus nicht wußte, wie der Kampf dieſer ihrer Befreier mit den Leuten des Irrenhauſes und des Kloſters in einer der vergangenen Nächte abgelaufen war. Vergebens hatte ſie ihre Wächte⸗ rinnen gefragt. Dieſe waren ſtumm geblieben.
Alles dies vermehrte 1 die bitteren Gefühle Adrianens gegen die Fürſtin von St. Dizier, gegen den Pater Aigrigny und gegen deren Helfershelfer. Die leichte Bläſſe ihres ſchönen Geſichtes und ihre etwas matten Augen verriethen ihre un⸗ behagliche Stimmun. Die Stirne auf die eine Hand ge⸗ ſtützt, welche halb durch die langen Locken ihres Goldhaares bedeckt war, ſaß ſie an einem Tiſchchen und blätterte in einem Buch. Plötzlich ging die shir auf und Doctor Ba⸗ leinier trat ein.
Der Doktor, ein Jeſuitſin kurzem Kleid, fügſames Werk⸗ zeug ſeines Ordens, war, wie früher bemerkt, nur halb im
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