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„Offenheit, liebes Kind, Offenheit. Man wagt nie etwas dabei, wenn man die Wahrheit ſagt.“
„De arme Cephiſe! Wie glücklich wird ſie ſeyn! Das kommt ihr ſo recht paſſend!“
„Nur muß ſie ſich nicht gar zu glücklich ſchätzen,“ bemerktè Rodin. „Ich verſpreche nicht beſtimmt, den wackern Jungen aus dem Gefängniß zu bringen. Ich ſage, ich will mich darum bemühen. Etwas verſpreche ich beſtimmt; denn ſeit Jakob's Verhaftung iſt Ihre Freundin wohl in einer miß⸗ ien ge
„Ach, lieber Herr! —“ begann Roſe Pompon.
„Was ich verſpreche,“ fuhr Rodin fort, „iſt eine kleine Un⸗ terſtützung, die Ihre Freundin heut empfangen wird, damit ſie ehrlich leben kann. Und wenn ſie ordentlich iſt — — wenn ſie ordentlich iſt, dann wird man ſpäter zuſehen.“
„Ach, lieber Herr,“ rief Roſe Pompon, „Sie wiſſen nicht, wie Sie ſo gerade zu rechter Zeit der armen Cephiſe zu Hülfe kommen. Sie ſind wahrhaftig ihr guter Engel. Bei Gott! Sie mögen Herr Rodin oder Herr Charlemagne hei⸗ ßen, ſo viel weiß ich, Sie ſind ein vortrefflicher — —“
„Still, ſtill! übertreiben wir nichts,“ unterbrach Rodin. „Sagen Sie ein guter alter Mann, und weiter nichts. Aber ſehen Sie einmal, liebes Kind, wie ſich die Sachen fügen. Wie hätte ich denken können, als ich an meine Thür klopfen hörte, (was, ich geſtehe es, mich ſehr ungehal⸗ ten machte,) wie hätte ich denken können, daß das eine kleine Nachbarin wäre, die unter dem Vorwand eines ſchlech⸗ ten Spaßes mich auf den Weg zu einer guten Handlung brächte! — — Nun, beruhigen Sie Ihre Freundin. Dieſen Abend wird ſie eine Unterſtützung empfangen. Vertrauen und Hoffnung! Es gibt, Gott ſey Dank, noch gute Menſchen auf der Welt.“
„O, lieber Herr, Sie beweiſen es klar!“
„Was iſt dabei? Das Glück der Alten beſteht darin „das Glück der Jungen zu ſehen.“
Rodin ſprach dies in ſo gutmüthigem Ton, daß dem Mäd⸗ chen Thränen in die Augen traten. Gerührt ſagte ſie:
„Sehn Sie, lieber Herr, Cephiſe und ich ſind nur arme Midchen Es gibt tugendhaftere, das iſt wahr. Aber ich darf


