Teil eines Werkes 
5. Band (1844)
Einzelbild herunterladen

—

ihrem Liedergarten flatternd, ſchon den lieblichen Schlußreim des Kolibri ſummte.

Als er dann nichts weiter mehr hörte, ſetzte er ſich wie betäubt nieder. Nach einigen Augenblicken der Ueberlegung 3 ſtrahlte ſein Geſicht plötzlich vor Freude. Er ſah in dieſem Zufall eine glückliche Vorbedeutung. Er ergriff von neuem die Feder, und ſeine nächſten Zeilen trugen das Gepräge ſeines ſonderbaren Glaubens an eine Fügung des Schickſals. Nie habe ich mehr an das Gelingen geglaubt, als in dieſem Augenblick. Ein Grund mehr, nichts zu vernach⸗ läſſigen. — Jede Ahnung gebietet eine Verdopplung des Eifers. Geſtern iſt mir ein neuer Gedanke gekommen.

Ich habe eine ultrakatholiſche Zeitung gegründet: die Nächſtenliebe. Seiner ultramontanen, tyranniſchen freiheitsmörderiſchen Wuth wegen wird man dies Blatt für das Organ Roms halten. — Ich werde dieſen Ge⸗ rüchten Glauben verſchaffen. — Neue Wuth. Das paßt in meinen Kram.

I=ch werde die Frage von der Freiheit des Unterrichts aufs Tapet bringen. Die ſtrengen Liberalen werden uns unterſtützen. Die Dummköpfe laſſen uns zu zum Genuß des gemeinen Rechts, während unſere Privilegien und Freiheiten, unſer Einfluß im Beichtſtuhl, unſer Gehorſam gegen Rom uns über das gemeine Recht ſtellen mittels der Vortheile, die wir voraus haben. Die Erzdummköpfe wähnen uns entwaffnet, während ſie ſelber gegen uns wehrlos ſind. Alſo kitzliche Frage, aufregendes Geſchrei, neuer Verdruß für den ſchwachen Mann. Jeder Bach vergrößert den Strom.

Das paßt immer wieder in meinen Kram.

Alles in zwei Worte zuſammengefaßt: das Ende iſt die Abdankung. Das Mittel: unabläſſiges Quälen. Die Rennepont'ſche Erbſchaft bezahlt die Wahl. Iſt der Preis gemacht, iſt die Waare verkauft.

Rodin unterbrach plötzlich ſein Schreiben, weil er glaubte,

an der auf die Treppe führenden Thür ein Geräuſch gehört

„

———

zu haben. Er horchte und hielt den Athem an. Alles war ſtill. Er glaubte, ſich getäuſcht zu haben, und fuhr fort zu ſchreiben: