Teil eines Werkes 
4. Band (1844)
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Geſellſchaft ernſtlicher bedroht geweſen. Und jetzt iſt es für ſie eine Frage um Leben und Tod. Es kann nicht die Rede davon ſeyn, ſich zu vertheidigen: es gilt jetzt anzugreifen, um zur Vernichtung dieſer verfluchten Familie Rennepont und zum Beſitz der Millionen zu gelangen.“

Sprachlos ſahen die Fürſtin und der Marquis ſich einan⸗ der an bei dieſem Gemälde, welches Rodin mit einer fieber⸗ haften Aufregung entwarf. Der Eindruck dieſer Aufregung war um ſo ſtärker, je ſeltner ſie war. „Ich geſtehe,“ ſagte Aigrigny, „ich habe nicht an alle gefährlichen Folgen dieſer von Herrn von Rennepont empfohlenen Verbrüderung ge⸗ dacht. In der That glaube ich, ſeine Erben werden nach dem, wie wir ſie kennen, ſich angelegen ſeyn laſſen, dieſe Utopie zu verwirklichen. Die Gefahr iſt ſehr groß, ſehr dro⸗ hend. Aber was iſt zu thun, um ſie zu beſchwören?“

„Wie, Herr von Aigrigny? Sie haben zu wirken auf eine unwiſſende, heldenmüthige, reizbare Natur, wie Dſchalma, — auf eine ſinnliche und überſpannte Natur, wie Adriana von Cardoville, auf kindliche und argloſe Naturen, wie Roſa und Blanca Simon, auf eine goffene, und ehrliche, wie Franz Hardy, — auf eine engelréine, bie Gabriel, — auf eine rohe und dumme, wie Liegganznackt, — und Sie fragen noch: Was iſt zu thun?“

„Wahrhaftig, ich verſtehe Sie nicht,“ erwiederte der Marquis.

„Ich glaube es wohl!“ verſetzte Rodin mit Geringſchäz⸗ zung. Ihr bisheriges Benehmen beweiſt es. Sie haben Ihre Zuflucht zu groben, phyſiſchen Mitteln genommen, an⸗ ſtatt pfychiſch auf edle Leidenſchaften zu wirken, die, einmal vereint, ein furchtbares, unangreifbares Ganze bilden würden, die aber getheilt und geſondert, wie ſie jetzt ſind, ſich allen Ueberraſchungen, Verführungen, Verlockungen und Angriffen bloßgeſtellt finden. Begreifen Sie endlich? — Nein, noch nicht!“ fügte Rodin achſelzuckend hinzu. — „Geben Sie Acht! Stirbt man vor Verzweiflung?“

„Ja.“

„Kann die Dankbarkeit glücklicher Liebe bis zur äußerſten Grenze toller Großmuth gehen?“

„Ja.“ V. 48