Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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„Wirklich, liebe Kinder? Sie ſind nie eine Minute von einander geweſen?“

„Nie Madame,“ antwortete Blanea, und beide Schweſtern lächelten ſich mit verſchlungenen Händen einander an.

„Gott! wie unglücklich würden Sie demnach ſeyn, wenn Sie von einander getrennt wären!“

„O, das iſt unmöglich,“ erwiederte lächelnd Blanca.

„Wie ſo, unmöglich?“ fragte Frau Grivvis.

— — ſollte das Herz haben, uns zu trennen?“ entgegnete oſa.

„Ohne Zweifel, liebe Kinder. Dazu gehörte viel Bosheit.“

„Selbſt ſehr böſe Menſchen könnten uns nicht trennen,“ fügte Blanca lächelnd hinzu.

„Das iſt gut,“ ſagte Frau Grivois. „Aber warum?“

„Weil es uns zu viel Schmerz machen würde,“ antwortete Roſa. Und Blanca verſicherte: „Es würde unſer Tod ſeyn.“

„Arme Kleine!“ ſagte Frau Grivvis im Ton des Mitleids.

Vor einem Vierteljahr,“ fuhr Blanca fort, „wurden wir in ein Gefängniß gebracht. Der Gefangenwärter ſah ſehr ſtreng aus und doch ſagte er: Man müßte den Tod dieſer Kinder wollen, wenn man ſie trennen wollte. — Und wir blieben beiſammen und waren ſo glücklich, wie man es im Gefängniß ſeyn kann.“

„Dies macht Ihrem Herzen Ehre,“ bemerkte Frau Grivvis, „und auch dem Herzen der Leute, welche begriffen, wie glück⸗ lich das Zuſammenſeyn Sie macht.“

Der Wagen hielt an. „Thor auf!“ rief der Kutſcher.

„Ah! da ſind wir am Haus Ihrer lieben Verwandten,“ ſagte Frau Grivvis.

Die beiden Flügel eines Thores gingen auf, und bald rollte der Miethwagen über den Sand eines Hofes. Frau Grivois hatte einen der Vorhänge aufgezogen. Von der Kutſche aus ſah man in einen geräumigen Hof, welcher der Breite nach von einer Mauer durchſchnitten war. In der Mitte dieſer Mauer befand ſich ein Eingang unter einer kleinen Halle, die von übergipsten Säulen getragen war. Hinter der Mauer erhob ſich der Giebel eines großen Hauſes von gehauenen Steinen. Verglichen mit dem Haus in der Briſe⸗Miche⸗Gaſſe, glich dies Gebäude einem Palaſt, und Blanca äußerte gegen