Teil eines Werkes 
3. Band (1844)
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Viertes Kapitel. Das Scharmützel.

Als Adriana von Cardoville eintrat, warf ſie ihren grauen Caſtorhut auf einen Seſſel. Ihr ſchönes Goldhaar, welches in langen, leichten Locken zu beiden Seiten ihres Geſichts herabfiel und hinten in einer großen Flechte zuſammengewun⸗ den war, wurde jetzt vollſtändig ſichtbar. Das Fräulein trat ohne Keckheit auf, aber mit vollkommner Unbefangenheit. Ihre Miene war heiter und lächelnd Ihre großen, ſchwar⸗ zen Augen ſtrahlten mehr als gewöhnlich. Als ſie den Abbé von Aigrigny bemerkte, machte ſie eine Gebärde der Ueber⸗ raſchung, und ein etwas ſpöttiſches Lächeln ſpielte um ihre rothen Lippen. Nachdem ſie dem Doetor freundlich zugenickt hatte und an dem Baron Tripeaud, ohne ihn anzuſehen, vorbeigegangen war, grüßte ſie die Fürſtin mit einer halben Verneigung, die eben ſo hübſch, wie vornehm war. Vornehm war überhaupt Gang und Haltung dieſes Mädchens, und dabei anſtändig und voll weiblicher Anmuth. Was man aber ſelten bei Frauen und zumal bei Mädchen von ihrem Alter findet, war ein gewiſſes, entſchloſſenes, unabhängiges, ſtolzes Veſen, welches ſich mehr ahnen, als ſehen ließ. Ihre Be⸗ wegungen waren nicht eben raſch, aber auch nicht gezwungen, ſteif oder geziert. Sie waren frei, wie ihre Sinnesart. Man ſah in ihnen Leben und Jugendkraft, und man errieth, daß dies offene, entſchiedene Weſen ſich bis jetzt nicht dem Zwang einer erkünſtelten Sittenſtrenge hatte fügen können. Obwohl der Marquis von Aigrigny ein Mann der vor⸗ nehmen Welt, ein Mann von Geiſt, ein durch ſeine Beredt⸗ ſamkeit ausgezeichneter Mann der Kirche, und ein an Gebie⸗ ten gewohnter Mann war, ſo empfand er doch, ohne zu wiſ⸗ ſen warum, ein Mißbehagen und eine faſt peinliche Befan⸗ genheit in Gegenwart Adriana's von Cardoville. Er, der ſtets Herr ſeiner ſelbſt, der gewohnt war, einen allmächtigen Einfluß auszuüben, der oft ig Namen ſeines Ordens min⸗ deſtens auf dem Fuß der Gilhheit mit gekrönten Häuptern

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