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noch nie dringender das Bedürfniß, das Innere meines Herzens dem Deinigen mitzutheilen, mein guter Mar! mein älteſter Freund! Denn obwohl wir Beide noch jung ſind, ſo iſt unſere Freundſchaft
doch alt! — ſie ſtammt ja ſchon aus unſerer früheſten Kinder⸗
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zeit her.
„Wie ſoll ich es Dir ſagen? Seit drei Monaten iſt eine voll⸗ ſtändige Umwälzung in mir vorgegangen . . . Ich ſtehe an einem jener Augenblicke, die über das ganze Erdendaſein eines Menſchen entſcheiden. — Urtheile ſelbſt, wie ſehr Deine Gegenwart, Deine Rathſchläge mir fehlen. — Aber gewiß! Du wirſt mir nicht lange mehr fehlen; was Dich auch in Ungarn zurückhalten mag, Du wirſt kommen, Mar! Du wirſt kommen, ich beſchwöre Dich darum; — denn ich werde wohl eine es⸗Troſtes aus Freundesmund bedürfen, und ich kann Dich wicht aufſuchen. Mein Vater, deſſen Geſundheit immer ſchwankender wird, hat mich von Gerolſtein zurückgerufen; er wird tigich ſchwächer und hinfälliger; — ich kann ihn durchaus nicht
mehr verlaſſen. —
„Ich habe Dir ſo viel zu ſagen, — daß ich weitſchweifig zu werden fuͤrchte; — ich habe Dir ja den einflußreichſten, roman⸗ tiſcheſten Zeitabſchnitt meines Lebens zu erzählen.
„Sonderbarer, trauriger Zufall! gerade in dieſem Zeitpunkte waren wir von einander entfernt, wir die „Unzertrennlichen“, wir die „Zwillingsbrüder“, wie man uns überall nannte, wir die zwei glühendſten, begeiſtertſten Jünger der dreimal heiligen Freund⸗ ſchaft; — wir, die wir ſtets ſo ſtolz darauf waren zu beweiſen, daß der Carlos und Poſa unſers großen Schiller keine idealen Luftgeſtalten waren, und daß wir, wie jene göttlichen Schöpfungen unſeres heimiſchen Dichters, den ſüßen Zauber eines zärtlichen und


