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Creolin, indem ſie ein neues Vorſpiel begann. Dann ſetzte ſie ihr leidenſchaftliches Recitativ fort: Wenn mein Geliebter da wäre, wenn ſeine Hand meine entblößte Schul⸗ ter berührte, würde ich ſchauern und ſterben. Wenn er da wäre und ſein Haar ſtreifte meine Wange, ſo würde meine ſo bleiche Wange ſich purpurroth färben. Meine ſo bleiche Wange würde erglühen. Seele meiner Seele, wenn Du da wäreſt, — würden meine vertrockneten, meiue gierigen Lippen kein Wort mehr ſprechen. Leben meines Lebens, wenn Du da wäreſt, — ich würde, hinſterbend, nicht um Schonung bitten. — Ich bringe die um, die ich liebe, wie ich Dich liebe. — Mein Engel, ach komm! mein Buſen hebt ſich, — mein Blut brennt. — Komm! — komm! — komm!
Hatte die Creolin die erſte Strophe mit ſehnſüchtigem Schmach⸗ ten geſprochen, ſo legte ſie in die letzten Worte das ganze Unge⸗ ſtüm der heißeſten Liebe.
Und als ob die Muſik ihre Glut nicht wiederzugeben ver⸗ möchte, warf ſie die Guitarre von ſich, richtete ſich bald empor, breitete die Arme nach der Thüre hin aus, wo Jacob Ferrand ſtand, und wiederholte mit ſchmachtend verklingender Stimme:
„Ach komm! — komm! — komm!“
Der elektriſche Blick, mit dem ſie die Worte begleitete, läßt ſich unmöglich beſchreiben.
Jacob Ferrand ſtieß einen entſetzlichen Schrei aus.
„Ach, den Tod, — den Tod dem, welchen Du ſo liebteſt, welchem Du dieſe glühenden Worte ſagteſt!“ ſagte er, indem er mit der Wuth der Eiferſucht und Lüſternheit an der Thür rüttelte. „Mein Vermögen, — mein Leben für eine Minute ſolch' verzeh⸗ render Wonne, die Du mit Flammenzügen ſchilderſt.“
Cecily, gewandt wie ein Panther, war mit einem Sprunge an der Thüre und ſagte, als ob ſie ihr — erheucheltes — Ent⸗ zücken kaum zu mäßigen vermochte, mit leiſer, bebender Stimme zu Ferrand:
„Nun, — ich geſtehe Dir — ich habe mich ſelbſt an den glühenden Worten dieſes Liedes entzündet. — Ich wollte nicht wieder an dieſe Thüre kommen, und bin doch, gegen meinen Wil⸗ len, von neuem daher gekommen, denn ich höre noch Deine Wörte: Wenn Du mir ſagteſt, ſtoß zu, — ich würde zuſtoßen. — Du liebſt mich alſo ſehr?“
„Verlangſt Du Geld, — all mein Geld?“
„Nein, Geld habe ich. —“
„Haſt Du einen Feind, — ich ermorde ihn.
Die Geheimniſſe von Paris. VI. 26


