4
„Ich begreife die Eiferſucht, wenn ſie einen Grund hat, aber wie konnte Ihr Bräutigam ſich zum Echo einer ungerechten, abgeſchmackten Verleum⸗ dung machen?“
„Nein, es war keine Verleumdung, Sylvia.“
„Was ſagen Sie?“
„Es iſt wahr, wie ich auch Albert geſagt habe, daß ich geſtern früh einen alten Freund, den ich eben ſo liebe wie verehre, geküßt habe mit den Worten: morgen wieder. Wie konnte Albert dieſen Umſtand erfahren? Das weiß ich nicht; aber der unbedeutendſte Schein genügt ſeine angeborene Ei⸗ ferſucht aufzureizen, und ich würde das ſogar na⸗ türlich finden, wenn er mich nicht ſchon von meiner Kindheit an kennte, wenn er nicht wüßte, in wel⸗ chen Grundſätzen der Ehre ich von der beſten, zärt⸗ lichſten der Mütter erzogen worden bin.“
So ſprechend ſchlägt Antonine ihre Augen zu dem mütterlichen Bilde auf.
Sylvia, die jetzt das Gemälde bemerkt, betrach⸗ tet es und ſagt dann:
„Antonine, welch ein ſanftes und edles Geſicht!“
„Ach ja, meine Mutter war auch ſtets meine Anbetung, meine Führerin, meine Stütze, mein Cul⸗ tus, mein Glaube!“ antwortet das junge Mädchen in tief gerührtem Ton. „Sie beräth mich, ſie ſpricht mir Muth ein, ſie tröſtet mich noch heute wie früher.“
„Theure Antonine, ich liebte Sie, jetzt aber be⸗ wundere ich Sie.“
„Sylvia,“ ſagt Antonine, indem ſie die Hand der jungen Frau ergreift und ſie mit unſäglicher


