Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

206

ſchon belebt genug waren, wurden purpurroth und verriethen in den Augen der männlichen Tiſchgenoſſen die zu große Treuherzigkeit ſeiner Gefühle.

Der Amphitryon des Soupers, Richard d'Otre⸗ mont, vermochte kaum ſeine ſchlechte Stimmung zu verbergen, obgleich er ſie ebenſo ſehr aus Stolz, als aus Schicklichkeitsgefühl zu verdecken ſuchte. Er hatte ſich vergeblich mehrmals bei Antvinette eingefunden, ſeit ſie ihm, mit einem furchtbaren Cynismus, ver⸗ ſprochen, ihn zu lieben, wenn er Maurice Dumirail zu einem Duelle reizte.

Die Freunde des Herrn d'Otremont wußten wohl, daß er ſich viel mit Antvinette beſchäftige. Sie ge⸗ hörte nicht zu den Frauen, deren ſociale Stellung ihren Anbetern Schweigen auferlegt; und die offen triumphirende Phyſiognomie von Maurice, die be⸗ deutſamen Blicke von Frau von Hansfeld, die aus Berechnung ihre augenſcheinliche Liebe für den jun⸗ gen Provinzialen zur Schau zu ſtellen ſich mühte, enthüllten bald den minder klar Sehenden unter den Gäſten die Wahrheit; alle bemerkten die lächerliche Rolle, welche in dieſem Falle Richard d'Otremont ſpielte, indem er ſozuſagen ſeine Freunde zum Souper einlud, um ſie zu Zeugen des Erfolgs ſeines Rivalen zu machen, den er ihnen vorher aufs wärmſte als Candidaten für ihren Clubb empfohlen hatte.

Was man in einer gewiſſen Welt Freunde nennt, das freut ſich gemeiniglich unſerer Widerwär⸗ tigkeiten, unſerer Täuſchungen, und Herr dOtremont bemerkte mehr als einen boshaften Blick, den ſie unter einander austauſchten; er ſah ſich das Spiel⸗ zeug von Antvinetten, die ihn vor aller Augen durch