Teil eines Werkes 
3. Band (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

34

haben, mir zu ſagen: woher kennen Sie mich, in welcher Hinſicht konnte ich verdienen . 15

„Das Intereſſe, das Sie mir einflößen?“

„Ja, Madame.“

„Ich kenne Sie ..

„Mich, Madame?“

„Ich kenne Sie genau, jedoch moraliſch . . . wohlverſtanden . . . dennoch ſehe ich Sie heute zum erſten Male, und Ihre Perſon . . . entſpricht vor⸗ trefflich der Idee, die ich mir davon gemacht hatte.. . Dieſe Art der Divination des Phyſiſchen durch das Moraliſche ſetzt Sie in Erſtaunen? Nichts kann in⸗ deſſen einfacher ſein . . . Vernehmen Sie mein Ver⸗ fahren. Es handelt ſich, wie ich annehme . . . nein . das iſt keine Annahme, das iſt . . . es handelt ſich um einen jungen Mann von edlem, unerſchrocke⸗ nem Herzen, von erhabenem Geiſte, von reinem, zartem Gemüthe, von ritterlicher Redlichkeit, von er⸗ probtem Muthe, von energiſchem Charakter. Nach dieſer gründlichen Kenntniß des Moraliſchen unſeres Helden muß man ſich den Anblick ſeiner Züge vor⸗ ſtellen, den man nicht kennt: was hat man zu thun, damit es einem glückt, ſich dieſe Vorſtellung zu ma⸗ chen? Seinen Zügen ſo viel als möglich die ſanfte und männliche Schönheit ſeiner Seele geben. So habe ich es gemacht . und ich finde Sie ſehr ähn⸗ lich dem von mir geträumten, ſo oft, wenn ich an Sie dachte, ohne daß ich Sie kannte, geträumten Portrait . . . Maurice! Entſchuldigen Sie mich, daß ich Sie ſo vertraulich nenne . . . Ich finde unter Freunden dieſe Vocabeln lieber Herr .. Madame unerträglich. . . dulden Sie alſo, da

—