Bweite Abtheilung.
. Antoinette Godinot (geborene Renard), kaum
achtzehn Jahre alt, verließ nach einer Ehe von eini⸗ gen Monaten ihren Mann, Herrn Godinot, einen Provinz⸗Anwalt, und folgte einem hübſchen, ziemlich reichen Schwadronchef, in Garniſon in demſelben Städtchen, wo Herr Godinot ſein Geſchäft trieb. Seine Frau, die ihren ehrlichen Namen zu gemein fand, ließ ſich bei ihrer Ankunft in Paris Frau von Montréſor nennen.
Dieſes Geſchöpf war und mußte ſein, beſonders ſpäter, eine Frau außer der Linie, da es Erſchei⸗ nungen aller Art gibt. Begabt mit einer unver⸗ gleichlichen Schönheit, mit einem natürlichen, lebhaf⸗ ten, glänzenden, kühnen Geiſte, mit einem im Böſen unbeugſamen Charakter, den ſie aber im Nothfalle mit einer unglaublichen Geſchmeidigkeit zu allen fal⸗ ſchen Dehors der Verſtellungen, zu allen Bedürf⸗ niſſen des Scheinens, wie Montaigne ſagt, zu bringen wußte; äußerſt intelligent, ſehr fein, ſehr gewandt mit der Liſt, der unerbittlichen Raubgier


