Teil eines Werkes 
Fernand Duplessis oder Denkwürdigkeiten eines Ehemanns : 14.-17. Bändchen (1851) Fernand Duplessis ou Mémoires d'un mari
Entstehung
Einzelbild herunterladen

22⁰

ihren eirunden, künſtlich ausgearbeiteten Rahmen; die Tapete, die Vorhänge, der Teppich der Bibliothet ſind ponceauroth; ich habe dieſe Farbe, welche die Vergol⸗ dungen und die Gemälde beſonders hervorhebt, immer ungemein geliebt.

„Bei dieſem Anlaß, mein lieber Jean FWet⸗ öffne ich eine Parentheſe: in den erſten Tagen unſerer Verheirathung und während unſerer Lectionen am Mor⸗ gen oder am Abend ſah ich zuweilen Claudine plötz⸗ lich beben und mit beinahe erſchrockenen Blicken um⸗ herſchauen; ihr ſanftes, freundliches Geſicht trübte ſich auf einen Augenblick, doch plötzlich ſchien ſie eine ge⸗ waltige Willensanſtrengung gegen ſich ſelbſt zu machen, und ihre Züge nahmen wieder ihren gewöhnlichen Aus⸗ druck an.

„Endlich, eines Tags, bat ich zärtlich meine Frau, mir die Urſache dieſer vorübergehenden Gemüthsbewe⸗ gungen zu nennen.

„Weißt Du, mein Freund, was ſie zuweilen be⸗ unruhigte und ihr einen unwillkürlichen Schrecken ver⸗ urſachte?

„Das war die Farbe der Tapete, des Teppichs und der Vorhänge. „„Eine blutrothe Tapete,““ ſagte ſie.

„Anfangs wollte ich dieſe Stoffe durch andere von einer weniger erſchrecklichen Farbe erſetzen, doch ich be⸗ fürchtete, ſo die zu lebhafte Reizbarkeit von Claudine zu ermuthigen, dennnicht ohne Grund dachte ich, meine Nachgiebigkeit in dieſer Hinſicht könne ihr an anderen Orten als bei mir nicht den unerwarteten Anblick die⸗ ſer Farbe erſparen, welche peinliche Gedanken in ihrem Geiſte erweckte. Ich ſchlug ihr jedoch vor, dieſe Ta⸗ pete zu wechſeln, während ich ihr zugleich die vorher⸗ gehenden Betrachtungen mittheilte; ihr natürlich ge⸗ ſunder Verſtand wußte ſie zu würdigen, ſie lachte am Ende über ihre tollen Schrecken, und nun iſt ſie völlig gewöhnt an die entſetzliche Farbe des Mobiliars in meinem Cabinet, deſſen Beſchreibung ich mit wenigen

F e