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„„Du biſt alſo glücklich, theures Kind?““ erwie⸗ dere ich, „ſehr glücklich?““
„Claudine antwortet mir nach ihrer Gewohnheit dadurch, daß ſie mir mit einer Miſchung von Zärtlich⸗ keit, Ehrfurcht und Dankbarkeit die Hände küßt, was mich immer tief rührt.
Dieſe vier⸗ bis fünſſtündigen Spaziergänge üben, abgeſehen von der Belehrung, einen vortrefflichen Ein⸗ fluß auf die Geſundheit von Claudine. Die harten Entbehrungen, ohne die Ruhe und die Pflege, die ſie heilſam machen, eine fortwährend ſitzende Arbeit, mit einem Worte, die traurigen Nothwendigkeiten ihrer frü⸗ heren Exiſtenz hatten die Conſtitution von Claudine, ohne ſie gerade anzugreifen, zart und ſchwächlich ge⸗ macht; ich bemerke auch jeden Tag mit Freuden, daß ſchon die friſchen Farben der Geſundheit ihrem Teint mehr roſigen Glanz verleihen; ſie ſcheint ſich zu ſtär⸗ ken, zu entwickeln; die außerordentliche nervöſe Em⸗ pfindlichkeit, von der ich oft mit Dir geſprochen, be⸗ ſänftigt ſich und wird mehr moraliſch als phyſiſch, wenn ich mich ſo ausdrücken darf; meine Frau iſt im⸗ mer weniger den unwillkürlichen Schrecken, verurſacht durch ein unvorhergeſehenes Geräuſch, unterworfen. Aber gewiſſe rein moraliſche Bewegungen machen im⸗ mer noch, daß ſie erbleicht und zittert. .
„Wir kehren oft ſehr müde, jedoch ſtets mit leich⸗ tem Herzen zurück; wir ſpeiſen mit Appetit, dann zie⸗ hen wir uns in meine Bibliothek zurück, und hier fan⸗ gen unſere Abendlecturen an, welche immer ſo ungeduldig von Claudine erwartet werden, weil ſie ihrer unerſätt⸗ lichen Begierde, zu lernen und zu wiſſen, entſprechen.
„Mein lieber Jean, Du haſt mir jenen Gefäng⸗ nißabend beſchrieben, einen rührenden Abend, an wel⸗ chem Ihr, Deine Mutter, Du und Deine Freunde, ängſtlich, reiflich meine Heirathspläne erwoget und er⸗ örtertet, welche von Euch ſodann angenommen wurden unter der von Deiner Mutter mit ihrem gewöhnlichen


