52 zulegen, um die Kleidung eines Andern (Herrn), wie er ſich ausdrückte, anzuziehen.
Am andern Tag wurden zwei Ackergäule an die alte Kutſche geſpannt, deren ſich ſchon zwei Generationen der Ker⸗Ellio be⸗ dient hatten. Ein Knecht ſetzte ſich auf den Bock und Ewen verließ Treff⸗Hartlog. Der Abbé von Kerouellan, der ſeinen Zögling bis Pont⸗Crvir begleiten wollte, ritt neben dem Wagen.
Wir brauchen nicht von den bittern Thränen der Ann⸗ Jann und von der düſtern Verzweiflung Les⸗en⸗Goch's zu ſprechen, als das treue Dienerpaar an dem Thore des Herrn⸗
hauſes in der Ferne den Wagen verſchwinden ſah, der den jungen Herrn entführte.
Zu allen Gefahren, denen Cwen ohne Zweifel in Paris, der gottloſeſten Stadt, ausgeſetzt ſein würde, fügten die beiden ungebildeten Leute noch die Gefahren, welche ihm der unglück⸗ liche Tag ſeiner Abreiſe zuziehen müßte, denn Ewen reiſete an einem Freitage des ſchwarzen Monats ab.
Ann⸗Jann wollte gegen ihren Mab⸗mer⸗brin eine Bemer⸗ kung darüber machen, der Abbé aber, der es hörte, warf ihr einen ſolchen Blick zu, nahm ſie dann bei Seite, und las ihr ſo
derb den Tert, daß die arme Frau kein Wort zu ſagen wagte. Als die beiden Bretagner gar nichts mehr von dem Rollen des Wagens hörten, kehrten ſie ſchweigend in die Küche zurück.
Ann⸗Jann ſetzte ſich an der einen Seite des Heerdes nie⸗ der, verhüllte das Geſicht mit ihrer Schürze und weinte noch bitterer als damals, da Ewen an der Spitze ſeiner Chouans in den Kampf auszog.
An der andern Seite ſaß Les⸗en⸗Goch mit übereinander geſchlagenen Armen, ließ den Kopf ſinken und rührte ſich nicht.
Die Nacht fand die beiden Diener noch an derſelben Stelle neben dem kalten Herde; ſie hatten kein Wort geſprochen. Nur das erſtickte Schluchſen der Ann⸗Jann unterbrach die traurige Stille, die in Treff⸗Hartlog herrſchte.


