Teil eines Werkes 
1. Band, Therese Dunoyer : 1. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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wegen einer Albernheit, die kein vierjähriges Kind erſchrecken würde, mit verſtörter Miene ſagen zu können: „Ja, es giebt etwas Uebernatürliches; der menſchliche Verſtand vermag es nicht zu erklären; und wann — ich — Himmel — Ach, mein Gott! — aber was ſeh' ich?“ rief der Abbé von Kerouellan mit einem Male, ſich ſelbſt unterbrechend, während er mit Ent⸗ ſetzen das halb verwiſchte Portrait betrachtete, das Ewen vor

ſich auf einen Stuhl geſtellt hatte. „Herr Jeſus!“ wieder⸗

holte der Abbé, „wie kommt dieſes Portrait hieher? Iſt es möglich?“

— „Was meinen Sie?“ fragte Cwen mit klopfendem Herzen.

Der Rector griff, ohne zu antworten, lebhaft nach dem Gemälde und hielt es in das Licht am Fenſter.

Ewen folgte allen Bewegungen des Pfarrers mit ſteigen⸗ der Aengſtlichkeit und geſpannt auf die Löſung dieſes neuen Räthſels.

„Ja, ja, es iſt daſſelbe“, ſagte der Rector, indem er das Portrait mit der größten Aufmerkſamkeit beſichtigte. „Iſt es ein Traum? täuſcht mich mein Auge? Nein; ich irre mich nicht. Es iſt daſſelbe; da ſtehen die rothgeſchriebenen kaum lesbaren Worte in der Ecke dicht am Rahmen — November. — Es iſt daſſelbe. — Ich begreife nicht —; mein Verſtand weigert ſich zu glauben, was meine Augen ſehen, und doch eriſtirt das, was ich ſehe. Wahrhaftig, das iſt ein Geheimniß, das mich erſchreckt“, ſetzte der Abbé hinzu, indem er mit einer Geberde des Abſcheues das Gemälde wieder auf den Stuhl ſtellte.

Es lag ein ſeltſamer Contraſt zwiſchen den erſten und letz⸗ ten Worten des Abbé; er hatte ſich eben gegen die Leute exeifert,

die ſich thörichter Weiſe in das Wunderbare verlieben, um an

unmögliche, übernatürliche Dinge zu glauben, und bei dem An⸗ blicke des Portraits rief er doch ſelbſt aus: — „Ich begreife nicht —; mein Verſtand weigert ſich zu glauben, was meine Augen ſehen, und doch eriſtirt das, was ich ſehe. — Wahr⸗ haftig, das iſt ein Geheimniß, das mich erſchreckt.“

Man ſtelle ſich vor, welchen Eindruck dieſer ſeltſame Wider⸗ ſpruch zwiſchen den Worten und Gefühlen eines ſo feſten, ſo verſtändigen, ſo achtbaren Mannes, wie der Abbé von Kerouellan war, auf Ewen machte.