Teil eines Werkes 
1. Band, Therese Dunoyer : 1. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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Ellio war in ſeiner Gegend ſo allgemein bekannt, daß er durch⸗ aus keinen Feind hatte; man vergaß ſein kräftiges Auftreten bei der Vendee⸗Angelegenheit nicht, und ſein zurückgezogenes Leben, das Manche vielleicht als Stolz oder Verachtung hätten aus⸗ legen können, fand nie eine böswillige Deutung. Man nannte ihn den Philoſophen und dieſe unſchuldige Benennung war die einzige Proteſtation, welche ſich die Nachbarn Ewen's gegen ſeine Menſchenſcheu erlaubten.

Wie paßte ein ſo empfängliches Gemüth zu einem ſo ener⸗ giſchen Charakter? Wie hatte ſich unter ſo rauher Schaale ein ſo feines Zartgefühl entwickeln können? Wie konnte er ſich, ohne jemals einen Vers oder irgend ein literariſches Werk geleſen zu haben, mit einem Male mit ſo viel Glück in die endloſen Räume des Gedankens und der Poeſie, wenn auch nicht der ge⸗ ſchriebenen, ſondern der gedachten, emporſchwingen? Woher ſchrieb ſich die ſeltſame Vorliebe für ein beſchauliches, einſames Leben, das er von ſeinem Vater, einem braven Edelmanne, tüchtigen Zecher und Waidmanne nicht gelernt hatte, von dem ſeine einfache Erzichung ihn hätte abziehen ſollen? Wir wollen nicht verſuchen, dieſes Räthſel zu löſen; wir erzählen nur ein leider! zu wahres Ereigniß.

Es iſt ein ſchmerzlicher Gedanke, daß es vielleicht mora⸗ liſche Inſtinete gibt, wie es körperliche Lüſte giebt; je mehr man ſie reizt, um ſo mehrientwickelt man ſie; je mehr man ſie ent⸗ wickelt, um ſo mehr verlangen ſie; dann tritt der Mißbrauch ein, die Sättigung folgt und hinterihr die Ausartung.

Auf die Bedürfniſſe der Phantaſie angewendet, iſt dieſe

fortſchreitende Logik oft noch weit ſtrenger. 2

Das Leben des jungen Herrn von Treff⸗Hartlog, das bis dahin ſo heiter und friedlich geweſen war, erfuhr allmälig eine vollſtändige Umwandlung.

So iſt der Himmel bisweilen am Morgen vom rreinſten, lachendſten Blau; keine Wolke trübt ſeine Heiterkeit. Allmälig aber, faſt ohne daß dieſe Veränderung ſichtbar iſt, breitet ein unbemerklicher Dunſt ſeinen leichten, durchſichtigen Schleier über den Horizont; der Himmel iſt noch immer blau, aber weniger klar, das Blau hat ſich getrübt; endlich geht es von Nüance zu Nüance unmerkbar in ein trauriges Grau, in ein bläuliches Schwarz über, das der Vorläufer des Donnerwetters iſt.