Teil eines Werkes 
2. Band, Therese Dunoyer : 2. Band (1845) Thérèse Dunoyer
Entstehung
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Sie ſah eine Schaar von Todten, die weiß gekleidet in kleinen Böten aßen. Sie ſah Todte in Menge.

Ihr Kopf ſank auf ihre Bruſt und ihre Zähne ſchlugen klappernd auf einander.

Durch das Blutthal ſah ſie die Todten ihr nachkommen.

Thereſe entſetzte ſich bei dieſen Worten, ſah ſich erſchrocken um und ſagte leiſe zu Ewen:

Bruder, lieber Bruder, kalter Schweiß ſteht auf meiner Stirn. Morgen, nach unſerm Tode, wenn wir durch die ewige Finſterniß ſchreiten, werden wir auch wie Tina jenen Angſtſee ſehen, mit den weißgekleideten Todten darauf; vielleicht gelangen wir auch in das Blutthal, in welchem die andern Tod⸗ ten uns verfolgen

Ich habe oft, ſehr oft darüber nachgedacht, Thereſe, welcher körperliche Eindruck wohl dem Tode folgen möge, und ich habe ſeltſame Träume gehabt.

Morgen, Bruder, wird dieſes ſchreckliche Geheimniß kein Geheimniß mehr für uns ſein. Morgen werden wir wiſſen, was allen denen unbekannt iſt, die noch auf der Erde wandeln. Das giebt Troſt im Tode, nicht wahr?

Ich ſcheue mich nicht zu ſterben. Aber Du, Du, Thereſe?

Thereſe legte ihre abgemagerte Hand auf die Lippen Ewen's und ſagte:

Vollende die Geſchichte der armen Tina.

Cwen küßte die glühende Hand Thereſens und fuhr dann fort:

Der Baron von Janioz ſagte zu der kleinen Tina, ihr Bruder habe ſie verkauft.

Sttze Dich, ſetze Dich daher bis zur Stunde des Mahles.

Der Baron ſtand neben dem Feuer, ſchwarz wie ein Rabe, mit weißem Bart und Haar und Augen, die glühten wie Kohlen.

Da, ſagte er, iſt ein junges Mädchen, nach dem ich mich ſchon lange ſehne. Komm, Schöne, laß Dir meine Schätze zeigen; komm mit mir von Gemach zu Gemach und zähle mein Gold und mein Silber.

Ich möchte lieber bei meiner Mutter die Spähne zählen, die in das Feuer geworfen werden.

Laß uns hinunterſteigen in den Keller und meinen ſüßeſten Wein koſten.

Lieber möchte ich Waſſer trinken von der Wieſe, wo die Pferde meines Vaters trinken.