124
Unordnung, welche dieſes unerwartete Ereigniß in ſein Tage⸗ werk brachte.
„Der Tanz begann; es waren ihrer ſieben Bajaderen. Die Muſik erſchallte, und die Herberge erdröhnte unter den durch⸗ dringenden Tönen der Cymbeln, Careſaſſen, Matatans und der andern landesüblichen Inſtrumente.
„In der That, Jenny, die Bajaderen waren allerliebſt; ihre Tracht war ſo verführeriſch, ihr Haar ſo ſchwarz und glän⸗ zend; die goldenen Plättchen, die ſie, an einem ſeidenen Netze befeſtigt, auf dem Scheitel des Kopfes tragen; ihre langen Ohr⸗ gehänge; die goldenen und ſilbernen Ringe, welche ihre Arme und Beine umfangen; ihre Gewänder von geſtreiftem Seiden⸗ ſtoff, um die Hüften mit einem Gürtel von geſchlagenem Silber befeſtigt;— das Alles war ſo elegant, ſo vrientaliſch; ihre Stel⸗ lungen endlich, üppig und leidenſchaftlich, trugen einen ſo eigen⸗ thümlichen Charakter, daß ich zwanzig Eurer glänzenden Opern⸗ ballets dafür gegeben hätte und noch für dieſen einfachen Tanz der Daatſcheries in einer ärmlichen Herberge von Carnate gäbe.
„Als der Ball ungefähr eine Stunde gewährt hatte, gab ich ihnen ein Zeichen, aufzuhören, und zwar zum großen Ver⸗ druſſe Duclos', deſſen Augen ſich belebten, und der ſich endlich bequemt hatte, von dem Tanze, dem Huka und dem Punſch ſeinen Antheil hinzunehmen, als wäre er ſeit acht Tagen darauf gefaßt geweſen, und der die ehelichen Kränze, ſowie die Kano⸗ nenſchläge der Madame Duclos zu vergeſſen und ſich unrechten Gedanken hinzugeben ſchien.
„Da ich die Sprache der Hindu ganz leidlich redete, dankte ich dem guten Mädchen, indem ich ſie verſicherte, daß Ramble ſelbſt, die Göttin des Tanzes, ſie nicht überträfe; aber ich bat ſie, auch etwas zu ſingen.
„Meine Schmeicheleien gefielen und überraſchten ſie von einem Europäer ſehr; ſie fragten mich dann, was ſie ſingen könnten, um mir angenehm zu ſein. Ich bezeichnete ihnen die Kamie, die ich ſehr liebte, und die ich in Surate oft gehört hatte.
„Sie ſangen mir alſo die Abenteuer der Prinzeß Bedd'hia vor, eine marattiſche Epopee voll Anmuth und Friſche. 1
„Es war Mitternacht, als ihre Geſänge endeten. Sie wollten ein anderes Giez oder Gedicht anfangen, aber ich dankte ihnen, und nachdem ich, wie der Gebrauch es heiſchte, der er⸗ ſten Tänzerin mein Geſchenk auf einem Teller überreicht hatte,


