35
„Wie viel verlorne Zeit!“ ſagte der Philoſoph, und ritt in das Waſſer, daß er auf der Tartane gehört werden konnte.
„Herr Verdammter! Herr Verfluchter!“ rief er mit poſſen⸗ haftem Tone,„habt Ihr denn vergeſſen, daß dieſe heiligen Leute ſich nicht nähern, wenn nicht der heilige Vater die Gewiſſen ſeiner Lämmlein beruhigt?“ Hierauf ritt er zu dem Haufen zu⸗ rück, der ihn verwünſchte.
Der Gitano ſchlug ſich vor die Stirn, und that einen lei⸗ ſen Pfiff.„Der Bruder!“ ſagte er zu einem Neger, der ſich am Eingange zu dem Raume zeigte. Der Schwarze verſchwand, kam aber bald wieder und machte mit dem Kopfe eine vernei⸗ nende Bewegung.
„Nun, ſo hißt ihn!“
Mit bewundernswerther Schnelligkeit machte der Neger eine Segelquerſtange los, befeſtigte daran einen Kloben und ein Tau, ſtieg damit hinab in das Unterdeck, und drei Minu⸗ ten darauf ſah man den ehrwürdigen Vater aus der Oeffnung hervorkommen, die zum Raume führte, einen Augenblick über der Tartane ſchweben, und dann an der Seite des Verdammten niedergleiten, der ihn ſogleich gefällig von den Stricken und Tauen losmachte, woran man den neuen Jearus befeſtigt hatte.
Als die Contrebandirer die Himmelfahrt des Mönches ſahen, riefen ſie„Gloria in excelsis,“ und warfen ſich nieder auf die Knie, denn ſie glaubten, es wäre ein Wunder. Nur der Philoſoph lachte über ihre Einfalt.
Als der neue Jearus wieder auf den Beinen war, ſah er den Gitano mit ſo verächtlichen Blicken an, wie ſie ihm nur immer möglich waren, ohngefähr wie ein Märtyrer ſeinen Hen⸗ ker anſehen würde.
Der Gitanv. Entſchuldigt mich, mein Vater, daß ich Euch helfen ließ auf das Deck zu kommen, aber die ehrlichen Contrebandirer warten mit Ungeduld darauf, daß Ihr Euer heiliges Amt verrichtet.
Dabei zeigte er auf den Haufen der Paſcher, welche auf⸗ merkſam beobachteten, was am Bord vorgehe.
Der Mönch. Wie viel chriſtliche Milde muß ich haben, daß ich einwillige, ganze Tage mit einem Apoſtaten, einem Verworfenen Deiner Art zuzubringen, und das nur, um zu reinigen, was durch Deine ketzeriſche, ſataniſche Hand beſudelt
Die Cucaracha. 1V. 3


