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Das Geſicht des armen Mädchens wurde roth wie die Granatblüthe, und ſie verbarg ihren Kopf an dem Buſen der Superiorin, die über die Vermeſſenheit des Fremden erſtaunt war.
„Ave, Maria, welche Keckheit!“ ſagten die Frauen.
„Bei der Jungfrau! woher kömmt dieſer Teufel?“ fragten die Männer, ſtaunend über ſolche Kühnheit.
Plötzlich ertönte ein allgemeiner Schrei, denn der Stier nahm ſeinen Anſatz gegen den Reiter mit der weißen Feder. Dieſer grüßte die Monja und ſagte lächelnd:„Für Euch, Sennora, und für Eure ſchönen Augen, blau wie der Azur des Himmels!“
Kaum hatte er dieſe Worte beendet, als der Stier auch ſchon in ſeiner Nähe war. Mit ſeltner Geſchicklichkeit, wobei die Leichtigkeit ſeines Pferdes ihm zu Hülfe kam, machte er eine Volte und befand ſich zehn Schritt von ſeinem Feinde, der ihn wüthend verfolgte. Aber Dank ſeiner Schnelligkeit, ſpielte das Pferd faſt mit ihm, und er gewann genug Vorſprung, um wie⸗ der unter der Loge der Monja einen Augenblick anhalten zu können.„Wieder für Euch, Sennora,“ ſagte er,„aber diesmal zu Ehren dieſes reizenden Mundes mit Purpurlippen wie Co⸗ rallen von Pervan.“
Schäumend ſtürzte der Stier heran. Der Mann mit der weißen Feder erwartete ihn kalt, nahm eine ſeiner Piſtolen, zielte und ſchoß ſo geſchickt, daß der Stier dicht vor ſeines Pferdes Füßen todt zu Boden ſtürzte. Beim Anblick der ungeheuern Gefahr, welche der ſonderbare Menſch lief, ſtieß die Monja einen Schrei aus und ſtürzte an die Balluſtrade ihrer Loge, die beiden Hände vorwärts geſtreckt. Er ergriff eine derſelben, drückte ihr einen glühenden Kuß auf und ſah dabei das Mädchen mit einem ſeelenvollen Blicke an.
In dieſem fremdartigen Auftritte lag ſo viel Grund des Staunens, daß Alle regungslos verwundert daſtanden. Dieſer bizarre Anzug, der, gegen den Gebrauch, mit einem Piſtolen⸗ ſchuß getödtete Stier; dieſer Mann, der die Hand einer halben Heiligen, einer Braut Chriſti küßte, widerſprach den Gebräuchen ſo ſehr, daß die Junta, der Alcade und der Gouverneur mit offenem Munde daſtanden, während Der, der die allgemeine Neugier ſo ſehr reizte, glühende Blicke auf die Monja warf, die, verwirrt vor Scham, nicht die Kraft hatte, ihre Loge zu verlaſſen. Vergebens überhäufte die Superiorin den ſchwarzen


