Teil eines Werkes 
44. Band, Die Cucaracha : 4. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
Einzelbild herunterladen

16

Schauſpiel, kein Lächeln für die Bewunderung, die ſie umgiebt, für die eifrigen Huldigungen des höchſten Adels von Sevilla und Cordova. Nichts kann ſie von ihren heiligen Gedanken abbringen. Eine Waiſe und reich, widmet man ſie Gott, und übergiebt ſie der Vorſteherin des Magdalenen⸗Kloſters. Ihr reines, unſchuldiges Herz fürchtet die Welt, ohne ſie zu kennen; denn ohne Kampf ſoll ſie den Himmel erringen. Morgen fällt nach dem Gebrauche die reiche Haarfülle unter der Scheere; morgen erſetzen grobe Leinwand und Haartuch die glänzenden Gewebe; morgen wird ſie für ewig durch einen furchtbaren Eid gefeſſelt; aber heut will der Gebrauch, daß ſie der Eitelkeit der trügeriſchen Welt beiwohne, um ihr dann ein ewiges Lebewohl zu ſagen.

Platz doch, Platz für die Monja! und ſie tritt in ihre Loge, die mit weißen Vorhängen vetziert iſt.

Bravo! die Muſik ertönt, das Zeichen wird gegeben, die Schranken öffnen ſich. Ein Stier ſtürzt auf den Kampfplatz. Ein ſchöner, wilder Stier, geboren in den Wäldern von San⸗ Lucar. Er iſt roth, und nur auf dem Rücken zieht ſich eine weiße, ſchmale Linie hin. Seine Hörner ſind kurz, aber derb und ſpitz, und der polirteſte Stahl iſt nicht glätter. Sein kräf⸗ tiger Hals trägt leicht einen ungeheuern Kopf, und die nervigen Beine wanken nicht unter der Laſt ſeiner Bruſt und ſeines Rü⸗ ckens, die von ungewöhnlicher Breite ſind. Seine Seiten ſind knochig, rund und tönen dumpf unter den Schlägen ſeines lan⸗ gen Schweifes.

Sowie er eintritt, erſchallen die Aeußerungen der Be⸗ wunderung ſo laut, daß die Berge der Sierra davon dröhnen. Von allen Seiten ertönt das Geſchrei: bravo toro! Der Stier bleibt ſtehen, läßt ſeinen Schweif einen Augenblick ruhen und ſieht ſich verwundert um. Dann geht er mit langſamen Schrit⸗ ten an den Schranken umher, welche den Kampſplatz von den Zuſchauern trennen, und ſucht einen Ausgang; er findet ihn nicht, kehrt zurück in den Circus, wetzt die Hörner und wirft den Sand hoch in die Luft.

Jetzt erſcheint ein Chulillo.

Die heilige Jungfrau beſchütze dich, mein Sohn! Gebe der Himmel, daß dein ſchönes Kleid von Atlas, mit Silber geſtickt, nicht bald mit Roth geſchmückt werde, ſo blutfarbig wie