Erſtes Kapitel. Der Barbier von Santa Maria.
„Bei dem Auge des heiligen Proko, ich ſchwöre es Euch, Gevatter, der Gitano wird zu Matagorda landen. Meine wüͤrdige Tante Iſabelle, welche von der Inſel Leon zurückkehrte, hat mir geſagt, daß ſie alle Küſtenwächter auf den Beinen fand. Man hat zwei Vedetten auf den Leuchtthurm geſtellt, um alle Bewegungen zu beobachten, die das Schiff dieſes Verruchten, das man in der Ferne erblickt hat, machen wird.“
„Bei der Jagd des heiligen Jago, Gevatter, der Fiſcher Pablo kömmt von Conil und ſagte mir, die Tartane mit dem rothen Segel liege einen halben Kanonenſchuß weit vom Ufer auf der Rhede, und alle Lederjacken(die Douaniers) ſeien auf⸗ geſchreckt. Man hat Eure Leichtgläubigkeit mißbraucht, Don Joſeph.“
„Man hat ſich über Euch luſtig gemacht, mein Herr von Scheermeſſer,“ erwiderte Joſeph ſpöttiſch.
Dieſe Benennung, Herr von Scheermeſſer, machte, daß Florez heftig bebte; denn wenn er auch das Publikum verjüngte, ſo geſchah es doch nur, um das Meſſingbecken, welches vor ſei⸗ ner Thür in einer finſtern Ecke hing, nicht ganz Lügen zu ſtra⸗ fen; im vollen Lichte aber zeigte ſich neben dem Becken ein un⸗ geheures Gemälde, welches eine Hand darſtellte, die mit einer Lancette bewaffnet war, und ſehr geſchickt die Ader eines Rieſen⸗ armes öffnete. Jeder konnte daran leicht erkennen, daß der Barbier ſeinen Ruhm darin ſetzte, gewiſſe chirurgiſche Functio⸗ nen auszuüben, und daß er ſich faſt mit Widerwillen zu dem edeln Barbiermeſſer herabließ, deſſen Ertrag jedoch ziemlich be⸗ deutend war.
Meiſter Florez genoß einer wohlverdienten Achtung; ſein Laden war, wie das bei den Barbieren in Spanien immer der Fall iſt, der Sammelplatz aller Neuigkeitskrämer, und beſonders


