Teil eines Werkes 
43. Band, Die Cucaracha : 3. Band (1844) La Cucaracha
Entstehung
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Arme Meélie! Um ihrem Geliebten zu folgen, hatte ſie Martinique mit ſeinen Bananen⸗Bäumen und ihr niedliches Häuschen mit grünen Jalouſien verlaſſen. Für ihn hätte ſie mit Freuden ihre tauſendfarbige Hängematte, ihre roth und blauen Matratzen, die ſchweren ſilbernen Ringe ihrer Arme und Füße hingegeben; Alles hätte ſie für ihn gegeben, ſelbſt das Etui mit den drei Schlangenzähnen und dem Turteltaubenher⸗ zen, ein Zaubermittel, welches ihr Leben beſchützte, ſolange ſie es am Halſe trug.

Man kann daraus abnehmen, ob Melie ihren Kernok liebte.

Er liebte ſie auch, er liebte ſie leidenſchaftlich, denn er hatte mit dem Namen Meélie einen langen Achtzehnpfünder getauft, welcher am Vordertheil ſeiner Brigg ſtand. Er ſendete dem Feinde keine Kugel, ohne ſich ſeiner Geliebten zu erinnern. Er mußte ſie wohl lieben, denn er erlaubte ihr ſeinen trefflichen Joleder Dolch und ſeine Piſtolen zu berühren. Was ſoll ich noch mehr ſagen? Ihr vertraute er die Oberaufſicht über ſeinen Wein und ſeinen Liqueur an.

Was aber die Liebe Kernok's noch mehr bewies, war eine große Narbe, die Mélie am Halſe hatte. Sie rührte von einem Meſſerſtiche her, den der Pirat ihr in einem Anfalle von Eifer⸗ ſucht beigebracht hatte. Da nun aber immer die Gewalt der Liebe nach der Gewalt der Eiferſucht berechnet wird, ſieht man, daß Meélie goldne Tage an der Seite ihres ſanften Gebieters verleben mußte.

Sie ging mit ihm hinab.

Als ſie in ſeine Cajüte trat, warf Kernok ſich in einen Armſeſſel, und verbarg den Kopf in beide Hände, als wollte er einem peinlichen Gedanken entrinnen.

Er bebte, als er das Fenſter bemerkte, durch welches ſein verſtorbener Capitain in das Meer ſtürzte, wie man weiß.

Meélie ſah ihn voll Schmerz an, näherte ſich dann ſchüch⸗ kniete neben ihm nieder, indem ſie eine ſeiner Hände ergriff. „Kernok, was iſt Euch? Eure Hand brennt,“ ſagte ſie.

Bei dieſer Stimme bebte er. Er erhob den Kopf, lächelte bitter, ſchlang den Arm um den Hals der jungen Mulattin und preßte ſie an ſich. Seine Lippen ſtreiften ihre Wange und be⸗ rührten die verhängnißvolle Narbe.