N—
25
ordentlich ſchön war derſelbe. Er hätte mit einem Blicke auf die breite Bruſt, das ſichere Zeichen der Kraft der Lungen, er⸗ rathen, daß Scham ohne Mühe einen raſchen langen Lauf würde aushalten können. Die Schnellfüßigkeit Schams mußte außerordentlich ſein, wenigſtens wie man aus dem Baue und der Kraft ſeiner Glieder ſchließen durfte, die ſo wunderbar propor⸗ tionirt waren, daß man an die Wunden an den Knien gar nicht denken konnte; namentlich ſchienen die breiten trockenen, platten Feſſeln wie Springfedern dieſer Eiſenſtäbe zu ſein.
Da nun aber in der Schöpfung einmal nichts vollſtändig iſt, ſo hatten ohne Zweifel jene ärgerlichen und neidiſchen Menſchen, die immer ſpähen, ob ſie irgend einen kaum be⸗ merklichen Flecken im ſchönſten Diamanten, oder eine Runzel bei einem Lächeln entdecken können, bemerkt, daß der Kopf Schams vielleicht nicht ganz graziös an dem Halſe ſitze und etwas zu lang ſei. War aber trotz dieſem kaum bemerklichen Mangel der Kopf nicht höchſt charakteriſtiſch? Gab nicht Alles, die breite Stirn, die großen Augen mit den topasfarbigen Ster⸗ nen und den Lichtblitzen darin, ja die vorſtehenden und offenen Nüſtern, die ſich fortwährend bewegten, dem Pferde den ſtolze⸗ ſten und verſtändigſten Ausdruck?
Agba ſchien durch langes Reiben mit den Haarhand⸗ ſchuhen Scham allmälig zu verwandeln; in dem Maße wie der Schmuz und Staub von ihm fielen, wurde die Haut des Pfer⸗ des ſchwärzer und hier und da zeigten ſich gleichſam feuerfar⸗ bige Flammen. Da nahm Agba eine Art Handſchuhe von ſehr dickem Sammet, womit die Araber das Haar ihrer Pferde glätten; aber diesmal wendete Agba ſeine Geduld und Geſchick⸗ lichkeit vergebens auf, denn das arme Pferd hatte ſich in ſol⸗ cher Armuth und Unreinlichkeit befunden, daß die Haut Schams, ſtatt ſeidenartig, weich und glatt zu werden wie ſchwarzer Atlas, rauh und matt blieb.. Das Pferd war aber doch auch ſo kaum wieder zu erkennen; die feine lange ſchwarze Mähne, die Agba ſorgſam gewaſchen hatte, fiel in leichten Wellenlinien auf ſeinen Hals und der Schweif, ein wahrer Seidenbuſch⸗ ſtrömte von dem breiten Kreuze wie ein Regen von ſchwarzem Schmelz herab.
Allerdings waren die Spuren der früheren Leiden noch vorhanden, aber man errieth doch in dem Pferde einen ſolchen Adel, eine ſolche Racenreinheit, daß es dem guten Quäcker, ſo
6
6
ZA.F
ℳ
* —


