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„Ali wird kommen.— Geſtern muß er Deine Botſchaft erhalten haben und heute Abend wird er bei Dir ſein. Beru⸗ hige Dich, meine Mutter!“
„Aber die Belagerung, die Schlacht, die Armee?“
„Belagerung, Schlacht, Armee, Alles wird er verlaſſen, um zu Dir zurückzueilen, die, wie er ſagt, ihn zum Mann und Weſir gemacht hat.“
„Ja, er muß kommen— denn ich fühle, daß ich ſterbe.“
„Nein, nein, meine Mutter, Du wirſt nicht ſterben.— Der Bektadji hat dieſe Nacht den Sohn eines Radja entführt, und er ſagt, daß ſein Trank unfehlbar iſt.“
„Wieder Blut!“ ſagte Khamco mit Niedergeſchlagenheit.
„Aber es iſt Dein Leben, meine Mutter, welches der Trank“— ſagte Chainitza, verwundert über die Gewiſſensbiſſe
Khamco's.
„Wozu jetzt leben? Iſt nicht Ali Weſir? Wenn ich ihn nur ſehe, ſo ſterbe ich nicht zu früh.“
„Du mußt leben, meine Mutter,“ ſagte Chainitza mit fin⸗ ſterem, faſt wildem Tone.
„Und weshalb?“ wiederholte Khamco aufgeregt.„Iſt die Weiſſagung nicht erfüllt? Haben die geheimnißvollen Zei⸗ chen, die ich jenen Abend bei Sonnenuntergang während der Kindheit Ali's glänzen ſah, nicht die Wahrheit geſagt? Iſt mein Sohn nicht Paſcha von Theſſalien und Janina?— Jetzt iſt meine Stunde gekommen, die Stunde für mich, die in ihrem mütterlichen Stolze ſtets die Liebe der Menſchen verachtete, weil man alle andern Menſchen verachten muß, wenn man zum Sohne den jungen und dann den großen Löwen von De⸗ belen hatte.“
„Und das iſt wahr, meine Mutter, ich war noch ſehr jung und ſah Dich, ſtolz und ſchön, verächtlich lächeln, wenn Du von der Liebe ſprechen hörteſt, die Du den furchtbaren Häupt⸗ lingen Toskaria's eingeflößt haben ſollteſt.“
„Weil Ali von Debelen mein Sohn war!“ ſagte Khamco
mit triumphirendem Tone.
Chainitza fuhr fort, indem ſie aufmerkſam die Züge Kham⸗ co's beobachtete, als wollte ſie die Wirkung jedes ihrer Worte erkennen:
„Deshalb, meine Mutter, ſind auch ſeit langer Zeit die Geſänge der Armatolen nichts geweſen, als trauernde Klagen


