158
ſprengt. Ich nahm mir vor, zu lachen oder ärgerlich zu wer⸗ den, je nachdem meine Frau die Sache aufnehmen würde, aber als ich an ihr Bett trat, war ſie ohnmächtig; wir brachten ſie wieder zu ſich, aber nun bekam ſie fürchterliche Krämpfe,— die jedoch vorübergingen.— Ich legte mich in meiner Stube zu Bett, dumm wie ein Brett.
Seit dieſem Tage,— gehorſamer Diener,— war das Zimmer meiner Frau fortwährend für mich verſchloſſen, trotz dem, daß ich es nicht leiden wollte; aber ſie ſagte mir, wenn ich auf meinem Willen beſtände, würde ſie ſich aus dem Fen⸗ ſter ſtürzen. Und das ſagte ſie mit einem Tone, daß ich er⸗ blaßte, denn ich ſah deutlich, daß ſie es wirklich gethan haben würde, weil ſie wirklich zuweilen eine verteufelte Entſchloſſen⸗ heit zeigte.
Das Opfer war übrigens ſo ſehr groß nicht, denn ſeit dieſem Tage wurde ihre Geſundheit immer ſchwächer und ſchwä⸗ cher; ſie ſtand nur noch ſehr wenig auf, und ihre Augen ſanken furchtbar ein; früher war ſie ſchon ſehr mager geweſen, jetzt aber glich ſie nur noch einem Schatten, und eines Tages ver⸗ langte ſie endlich nach einem Geiſtlichen.— Höre, mach Dich nicht über mich luſtig, Dumont; ich habe keine Vorurtheile, wie Du weißt; ich verachte die Jeſuiten und bin Philoſoph;— aber den Wunſch einer Sterbenden darf man nicht zurückweiſen;— und dann, ſiehſt Du, es iſt eine Schwäche, ich geſtehe es ein, aber,— es iſt einmal geſchehen, alſo— ſprechen wir nicht mehr davon. So kamen denn alle die Kuttenträger in mein Haus; aber, verſtehſt Du, Dumont, ich befahl meinen Leuten, ſie nicht zu grüßen: das wird meinen Fehler in Deinen Augen vielleicht wieder gut machen.— Man gab alſo meiner armen Frau die letzte Selung; ſie ließ auf das Fußende ihres Bettes das Bild ihres Vaters und ihrer Mutter ſetzen, ergriff meine Hand, ſagte, daß ſie mir all das Böſe verziehe, was ich ihr zugefügt hätte, blickte die Bilder ihrer Eltern noch⸗ mals an;— machte eine Anſtrengung, als wollte ſie ihnen die Arme entgegenſtrecken, riß die Augen groß auf, und ſank auf das Kiſſen zurück.— Ich war Wittwer, mein armer Dumont.
Du ſiehſt, daß wenigſtens ihr Tod ſanft war, wie ihr Leben, denn was das Uebel betraf, das ich ihr zuge⸗ fügt haben ſollte, und das ſie mir verzieh, ſo mußte
5
—————
—


