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Genüſſe und Leiden kennen lernte, die andern Organiſationen fremd ſind, und man konnte ihr nichts vorwerfen, als eine Art Leuteſcheu; dieſe läßt ſich vielleicht durch Ceciliens Furcht er⸗ klären, in der Welt auf Ideen zu ſtoßen, deren Proſaismus ſie ſchmerzlich aus ihrer Sphäre erhabener Begriffe geriſſen hätten, in denen ſie ſich zu iſoliren liebte.
Die ſchmerzlichen Verluſte, die ſie erlitten hatte, erhöhten noch ihren Geſchmack an der Träumerei und der Einſamkeit; ſchwächlich und nervös, wie ſie war, empfand ſie alle Eindrücke lebhafter, weil der Kummer dann das Gefühlsvermögen ver⸗ doppelt; der Inſtinkt einer zurückſtoßenden Empfindung, den Cecilie gegen alles Gemeine empfand, ſprach ſich immer mehr und mehr aus, denn ſie hatte das Vermögen ſtets nur als ein Mittel betrachtet, das Materielle der Exiſtenz durch einen Lurus voll des feinſten Geſchmackes zu poetiſiren.
Cecilie lebte gleichwohl ſeit dem Tode ihres Vaters und ihrer Mutter ſo glücklich, als ſie nach ihrer Art leben konnte; ihr gebildeter, tiefer und unſchuldiger Geiſt hatte einen troſt⸗ reichen Reiz darin gefunden, fromme Bücher und die Meiſter⸗ werke aller Nationen zu leſen.
Dieſe erhabene Natur eignete ſich die edeln Gedanken, die herrliche Sprache, die impoſanten Charaktere an, welche allein im Stande waren, ihren erhabenen Gedanken und der Reinheit ihrer Seele zu entſprechen, und ſo brachte ſie ihr Leben damit
hin, die glänzenden Viſionen der intellectuellen Welt anzu⸗
ſchauen, in denen ihre Exiſtenz lag.
Auch die Künſte liebte ſie leidenſchaftlich, und beſonders die Muſik, welche für ſie die göttliche Sprache war, welche allein es vermochte, die trüben und erhabenen Träumereien auszudrücken, welche die Religion, die Erinnerung an ihre Mutter, oder die ätheriſche Liebe, die ſie zuweilen träumte, ihr einfloößten. Auch von den Künſten forderte Cecilie Troſt und Vergeſſenheit der Gegenwart.
Sie blieb daher bis zu dem Augenblicke, wo man ihr den Antrag des Herrn von Noirville mittheilte, in der größten Zu⸗ rückgezogenheit.
An dieſem Tage befand ſich die arme Cecilie, nichts ahnend, in dem Sprechzimmer, welches an ihr Schlafzimmer ſtieß.
Dieſes Sprechzimmer war für Fräulein von Elmont der Gegenſtand eines religiöſen Cultus.


