daß ich, wie ſie's nenne, ein Weltmann ſei. Obwohl tief verletzt, verbarg ich meinen Groll, indem ich mich ſogar meines Bürgerthums rühmte, ich wetteiferte mit dieſem hochmüthigen Geſchöpf an Hochmuth. Ihr Geiſt, ihr feines Benehmen und, um Dir dieſe letzte Schwäche nicht zu ver⸗ hehlen, ihr hoher Rang machten einen lebhaften Eindruck auf mich, ich ſtellte mich aber gleichgül⸗ tig, faſt verächtlich; da ich bald errieth, daß ihr Adelſtolz das einzige Schutzmittel ihrer Tugend ſei, verſuchte ich ihr durch Paradoxen und Bered⸗ ſamkeit die niedrigſten Ausſchweifungen unter ver⸗ führeriſchen Farben darzuſtellen, indem ich auf dieſe Weiſe in ihre Seele abſcheuliche Keime zu pflan⸗ zen hoffte, die die erſte ſinnliche Regung entwik⸗ keln konnte.— Das iſt ja entſetzlich! rief Jerome aus, das iſt ja ehrlos!— Ja, ja, ſehr ehrlos, denn ich ſagte mir dabei, im Falle meine Para⸗ doren Eindruck machen, wird dies hochmüthige Geſchöpf früher oder ſpäter entwürdigt, ſinkt herab und geht verloren, und ihr Untergang rächt mich für die Demüthigungen, die ich von Ihresglei⸗ chen erduldet habe! Ja, dies dacht' ich... dies wollte ich... ſprach Anatole mit aufrichtigem
Reuegefühl weiter, und jetzt, wo das Gefühl
des Rechten und Guten unter dem Einfluß Dei⸗ ner Weisheit und Liebe, Jerome, in mir wieder erwacht, ſage ich mit Dir: Es war unwürdig,


