————
— 107—
Leute nicht; Du beurtheilſt ſie nach Deiner Frauz Du weißt nicht, mit welcher teufliſchen Gewandt⸗ heit ſie ſpotten, mit wie ſpitzen Pfeilen ihr ſtol⸗ zer Hohn verwunden kann. Nein, nein, Du kennſt ſie nicht, ich aber kenne ſie! rief Anatole Ducormier aus, als ob ein bitterer Groll, den er lange im Herzen verſchloſſen, ſich endlich Luft gemacht hätte; mit unbeſchreiblich gehäſſigem Ton fügte er dann hinzu: Oh! hölliſches Ge⸗ ſchlecht! wieviel bittere Kränkungen! wieviel ſchmähliche Verachtung habe ich vier Jahre lang dulden müſſen! Oh! wieviel Bitterkeit hat ſich in meinem Herzen aufgehäuft!— Anatole! was ſagſt Du? rief Jerome, durch die finſtere Tücke, welche die ſchönen Züge Ducormier's plötzlich ent⸗ ſtellte, ebenſo überraſcht als erſchreckt, aus? Du ſchmählich, verächtlich behandelt? Und Du haſt es ertragen?— Himmel! antwortete Ducormier mit höhniſchem Gelächter, Du kennſt dieſe Men⸗ ſchen nicht, wiederhole ich Dir! Nie begehn ſie etwas, woran man Anſtoß nehmen könnte; ſie haben ſo feine Lebensart! Nie entſchlüpft ihnen ein Wort, das man übel nehmen könnte; ſie ſind ſo höflich! Und doch iſt ihre Stimme, ihr Blick, ihre Haltung, Alles, bis auf ihr Schweigen, Hohn und Verachtung, wenn man die geheime Sprache dieſer unverſchämten, tückiſchen, ver⸗ derbten Geſchöpfe verſteht!— Anatole, Deine


