Einige Augenblicke ſchwiegen die drei Wuͤrger. Draußen ergoß der Mond noch immer ſein hel⸗ les weißes Licht und warf blaͤuliche Schatten auf
einer grauenhaften Gottheit, die nur an Blutvergießen Wohlgefallen ſindet und beſonders das Menſchengeſchlecht verabſcheut. Die ihr an⸗ genehmſten Opfer ſind Menſchenopfer, und je mehr ihr in tieſer Welt vargebracht werden, um ſo mehr entſchädiget ſie dafür in der andern durch immer neue Genüſſe. Wenn der Mörder auf ſeinem Pfade auf das Blutgerüſt ſtößt, ſo ſtirbt er mit der Begeiſterung eines Märty⸗ rers, weil er die Palme des Lohnes erwartet. Er mordet, um ſeiner göttlichen Gebieterin zu gehorchen, ohne Zorn und ohne Reue den Greis, das Weib und das Kind, und iſt gegen ſeine Glaubensgenoſ⸗ ſen freigebig, liebevoll und aufopfernd und giebt Alles zu dem gemein⸗ ſamen Schatze, weil alle gleich ihm Adoptiv⸗Kinder Bohwanies ſinb. Die Tödtung von ſeines Gleichen, die ſeiner Secte nicht angehören, die Verringerung des Menſchengeſchlechts, iſt das Ziel, das er ver⸗ folgt, nicht um Reichthum zu gewinnen, denn die Beute iſt eine Ne⸗ benſache, eine zwar ſehr angenehme, aber doch nur untergeordnete Zugabe. Die Vernichtung iſt ſein Zweck, ſeine himmliſche Aufgabe, ſein Beruf, aber auch die angenehme Befriedigung einer Leidenſchaft, denn die Menſchenjagd iſt ſeiner Anſicht nach die genußreichſte aller Jagden.„Ihr findet ein großes Vergnügen darin,“ hörte ich einen der Verurtheilten ſagen,„das wilde Thier zu verfolgen, den Eber, den Tiger anzugreifen, weil dabei Gefahren zu beſtehen, Kraft und Muth zu entwickeln ſind. So bedenkt, um wie viel größer der Reiz ſein muß, wenn man mit dem Menſchen kämpft, wenn man den Menſchen tödtet! Statt nur eine Fähigkeit, den Muth, zu üben, muß hier Muth, Schlauheit, Vorſicht, Beredtſamkeit, Diplomatie aufgeboten werden; welche Springfedern ſind da in Bewegung zu ſetzen, welche Mittel zu entwickeln! Mit allen Leidenſchaften zu ſpie⸗ len, ſelbſt die Saiten der Liebe und der Freundſchaft anklingen zu laſ⸗ ſen, um die Beute in das Netz zu locken, iſt eine erhabene Jagd, iſt berauſchend, iſt ein Wahnſinn, ſage ich.“
„Wer in den Jahren 1831 und 1832 in Indien geweſen iſt, wird ſich des Staunens und Entſetzens erinnern, das die Entdeckung bieſer ungeheuern Höllenmaſchine in der ganzen Geſellſchaft verbreitete. Viele Juſtiz⸗ und Verwaltungsbeamte wollten nicht daran glauben und konnten nicht begreifen, daß ein ſo weit greifendes Shſtem ſo
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