Drittes Kapitel. Der Schmuggler⸗
Das Gewitter vom Vormittage hatte langſt aufgehoͤrt, die Sonne wollte untergehen und es
mancherlei Geräuſch, burch Kitzeln ꝛc. und wiſſen den Körper und die Glieder in die für ihre Abſichten paſſende Lage zu bringen.“
Der Graf Ed. von Warren ſpricht ſich in ſeinem vortrefflichen Werke über das engliſche Indien, das wir noch mehrmals zu erwäh⸗ nen haben werden, über die unbegreifliche Gewandtheit der Hindu eben ſo aus.
„So ſtehlen ſie dem Reiſenden ſelbſt die Decke, in welche er ſich im Schlafe gehüllt hat.“ Dieſes Kunſtſtück, das unglaublich erſcheint, iſt nichts deſto weniger wahr. Warren vollendet das Bild, indem er eine Erklärung von dem Verfahren der Bhils dabei giebt.„Die Be⸗ wegungen des Bhils ſind die der Schlange; ſchläft man in einem Zelte, an deſſen Eingange ein Diener quer liegt, ſo kauert ſich der Bhil draußen im Schatten in einer Ecke nieder, von wo aus er das Athmen Beider hören kann. Sobald der Europäer ſchläft, iſt der Dieb ſeiner Sache gewiß; der Aſiate widerſteht dem Reize des Schla⸗ fes nicht lange. Der Augenblick iſt endlich gekommen; der Bhil macht an der Stelle, wo er ſich befindet, einen verticalen Schnitt in die Zeltleinwand und ſchlüpft hindurch wie ein Schatten, ohne baß ein Sandkörnchen unter ſeinen Füßen ſich bewegt. Er iſt völlig nackt und mit Oel beſtrichen; ein dolchartiges Meſſer hängt an ſei⸗ nem Halſe. So kauert er ſich neben dem Schlafenden nieder und legt die Decke mit ſeltener Ruhe und Gewandtheit in kleine Falten bis an den Körper zuſammen, ſo daß ſie ſo wenig Raum als möglich ein⸗ nimmt. Iſt dies geſchehen, ſo begiebt er ſich auf die andere Seite und kitzelt den Schlafenden leicht, den er zu magnetiſtren ſcheint, ſo daß derſelbe inſtinktmäßig zurückweicht, ſich endlich umbreht und ſo von der zuſammengefaltenen Decke herunterkommt. Erwacht der Europäer und verfucht den Dieb zu ergreifen, ſo findet er einen ſchlüpfrigen Körper, der ihm wie ein Aal entſchlüpft; hält er ihn wirklich feſt, ſo iſt es um ihn geſchehen; der Dolch trifft ihn ins Herz, er ſinkt todtlich verwundet nieder und der Mörder verſchwin⸗ det.“


