— 388—
Seringapatnam. Zwei Tage nachher war Tippoo aus ſeinem verſchanzten Lager geworfen und ge⸗ nöthigt, ſich in ſeiner Hauptſtadt einzuſchließen, wo er bis zum 24. heftig belagert wurde. Mit einem Sturme bedroht, nahm er die ihm vorge⸗ ſchlagenen Bedingungen an, und der Friede ward am 18. Maͤrz unterzeichnet. Er trat den Ver⸗ buͤndeten die Hälfte ſeiner Staaten ab, und zahlte ihnen, als Schadenverguͤtung, eine bedeutende Summe. Aber die haͤrteſte und erniedrigendſte Clauſel war die, wonach er ſich verpflichtete, als Geißeln fuͤr die Vollziehung des Vertrages ſeine zwei Sohne, Abd⸗el⸗Khalil und Moezz⸗Eddyn, Kinder von acht und zehn Jahren, zu uͤbergeben. So endete ein Krieg, welcher den Sultan 67 Forts, 800 Stuͤck Geſchuͤtz und 50,000 Menſchen koſtete. Seit dieſer Zeit hoͤrte ſein Hof auf, der Schauplatz der Vergnuͤgungen zu ſein; Trauer herrſchte in ſeinem Palaſte, und ſein Charakter wurde noch jaͤhzorniger, haͤrter, herrſchſuͤchtiger. Tippoo ſchien von da an nur von Einem Gefuͤhle durchdrungen zu ſein, naͤmlich dem der Rache. Er beſchäftigte ſich mit nichts weiter, als damit, den Englaͤndern Feinde zu erwecken. Umgeben von durch ſie gewonnenen Maäͤchten, ſandte er im Jahre 1797 eine Geſandtſchaft bis in den Norden In⸗ diens, zu Zeman⸗Schach, dem König von Kabul, um ihn zu einer Verbindung zu bewegen, deren Zweck es ſein ſollte, die Europäer aus Hindoſtan


