Teil eines Werkes 
71.-74. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 9.-12. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
Einzelbild herunterladen

was mir Vergnuͤgen machte. Ich hegte gegen Niemand einen Haß. Wenn ich mit der Gelieb⸗ ten wechſelte, ſo war es Laune und nicht Grau⸗ ſamkeit; wenn ich Boͤſes veruͤbte, ſo geſchah es niemals aus uͤberlegter Bosheit, ſondern aus Un⸗ bekuͤmmertheit oder Sorgloſigkeit. Bisweilen liebte ich aufrichtig; aber wenn man mich betrog, lachte ich eher daruͤber, als daß ich weinte. Kurz, meine Freude, mein Vergnuͤgen war ſtets mein Zweck; dieſen habe ich erfullt, aber beim Himmel! darum mache ich nicht den geringſten Anſpruch, Lovelace oder Satan zu ſein!“

„Dieſes naive Geſtaͤndniß beruhigt mich, Herr Graf; Ihre vertrauliche Mittheilung uͤber den Tod der ſpaniſchen Herzogin hatte allein meinen Irr⸗ thum verurſacht. entſchuldigen Sie mich alſo, daß ich Sie falſch beurtheilte, denn was Sie mir ſo eben ſagen, verraͤth eine lobenswerthe Aufrich⸗ tigkeit; ſelbſt Ihre Fehler, Ihre Laſter ſind bei alle dem von edler Art. und Sie beweinen Todte, die Sie nicht getödtet haben„ in der That, mein Herr, alles dies beweiſt ein gefuhlvolles und gutes Herz. Entſchuldigen Sie nochmals die Verwegenheit meines erſten Urtheils..

„Das heißt, Herr Abbé, ich habe mir, unter uns geſagt, wohl einige ſtrenge Vorwuͤrfe zu ma⸗ chen; ich weiß, daß ich das oft mit Fuͤßen getre⸗ ten, was man mit Unrecht Vorurtheil nennt, was aber in Wahrheit Moral iſt; ich weiß ferner, daß