Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
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wo ich Sie ſah, machten Sie auf mich einen leb⸗ haften Eindruck, den Ihre Kalte noch vermehrte. Das Billet, das Sie mir ſchrieben, machte mich wonnetrunken. Wenn ich Ihnen ſagen wollte, warum ich Sie mit Freude und Verdruß erwartete, warum ich lachte und warum ich weinte, ſo wuͤrde ich Ihnen Aufſchluß uͤber das geben, was ich ſelbſt nicht begreife; und wenn ich Ihnen endlich ſage, daß ich Sie dennoch liebe, ja, innig liebe, wenn ich Ihnen ſolch ein Geſtaͤndniß thue, wenn ich mich ſo erniedrige und wegwerfe, iſt das noch nicht ge⸗ nug? Herr von Vaudrey, iſt das noch nicht ge⸗ nug, um einen Augenblick Thorheit und Uebermuth zu ſuͤhnen? Nun, glauben Sie mir jetzt? Ach, ſo reden Sie doch, Herr von Vaudrey, nicht wahr, Sie glauben mir?— Reden Sie doch!— Barm⸗ herziger Gott, warum ſollte ich denn luͤgen?“

„Doch vielleicht, um eine jener Wetten zu ge⸗ winnen, die man mit ſich ſelbſt eingeht,“ erwiederte Heinrich,„vielleicht auch dachten Sie an einen glucklichen Liebhaber, den ich nicht kenne, und meinten: wenn Herr von Vaudrey zu meinen Fuͤ⸗ ßen lag, wird mein Geliebter mir treu ſein, oder wohl auch, wird er dann nicht mehr zweifeln, daß ich ihm untreu werden konnte, wenn ich ſonſt wollte, oder ſonſt etwas— und ſo ſuchen Sie, wie Jean⸗Jacques, die Segel klug auszuſpannen. Das iſt ganz natuͤrlich!“

„O mein Gott!“ rief die Baronin mit einem⸗