Teil eines Werkes 
62.-66. Theil, Der Wart-Thurm von Koat-Vën : Roman aus dem Seeleben 1780-1830 : 1.-4. Bändchen (1841) La vigie de Koatven
Entstehung
Einzelbild herunterladen

blaſſen Wangen belebten ſich und ein unbegreif⸗ licher Ausdruck von Gluͤck und Stolz ſtrahlte auf ihrer Stirn; vielleicht war es ſelbſt ein Gedanke von Hochmuth, der die Lippen verzog und den Blick ſtaͤhlte, welchen ſie auf den jungen Mann mit weib⸗ lichen Zugen, mit ſo zartem Körperbau warf, waͤh⸗ rend ſie, ihre langen braunen Wimpern ſenkend, die Arme auf der Bruſt kreuzend, mit der ganzen Groͤße ihrer edlen und erhabenen Geſtalt, welche der Amazonenanzug noch erhöhte, den Juͤngling uberragte.

Denn dieſe Frau war eines jener ſpaniſchen Muſtergebilde einer reichen und uͤppigen Natur. Ol welche ſturmiſche und aufbrauſende Leidenſchaft, welche verzehrende und unverſoͤhnliche Eiferſucht regte ſich in dieſen Formen, die trotz ihrer feinen Bildung kräftig ausſahen! Und dieſes dichte und feine Haar, dieſe leuchtenden und gebogenen Augenbrauen, dieſer faſt unmerkliche, ſanfte Flaum, der die korallenrothe, ein wenig vorſprin⸗ gende Lippe noch mehr erhob! 5

O Rita! Rita! der Jahre zaͤhlſt du acht und zwanzig; die Sonne Havanna's hat deine ſchonen, wolluſtig gerundeten Achſeln goldig gefärbt; Rita! ſoll man ihn beklagen oder beneiden, um

deſſen willen du zu Pferde, nur von einem Reiter begleitet, hereilſt? Du trittſt in einen alten, zer⸗

truͤmmerten Thurm du, die erlauchte Herzo⸗ gin! deren erſte Diener Edelleute ſind; du, die

7