Teil eines Werkes 
3. Band (1863)
Entstehung
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vor ihre Seele. Welche Braut weinte nicht an ihrem Hoch⸗ zeitstage?— Sonnenregen! Labender, erquickender Thau auf die Gluth des Herzens— Blumen des Entzückens halbgeahnter, halbgekoſteter Wonnen! Solche Thränen waren es nicht geweſen, die den Glanz des Atlaſſes ihres Kleides getrübt hatten— bittere, heiße Tropfen des Schmerzes; Perlen, geweiht der Entſagung, dem Abſchiede von ihrer heiteren Kindheit, und von allem, was ihr lieb und werth war! Und heute, heute, da ihre Eltern ſie ver⸗ laſſen hatten, da ſie ſich wieder einſamer denn je im frem⸗ den Lande, im fremden Hauſe fühlte, heute ſollte dieſes Kleid zum erſten Male ſie wieder ſchmücken! Gewaltſam kämpfte ſie chre Empfindungen zurück— ich ſoll ja heiter und fröhlich ſein, flüſterte ſie mit bebender Stimme vor ſich hin— und welches Kleid als gerade dieſes könnte wohl beſſer zu dieſer Heiterkeit und Fröhlichkeit paſſen? Eilig rief ſie dem Mädchen, um nicht länger mit ſich allein zu ſein, und ließ ſich ankleiden. Leſſen ſchickte die Camelien und ſie ſteckte zwei davon ins Haar. Als ſie fertig war, betrachtete ſie ſich im Spiegel. Welches Weib liebte nicht ihre Schönheit? Die Schönheit des Weibes iſt ihr Ehrgeiz, ihr Ruhm, ihre Ordenskette— ſie iſt für ſie alles das, wonach der Mann ſich abmüht, und das er als eitlen Plunder bei Seite legt, wenm er es erreicht hat; die Schönheit des Weibes iſt zugleich der verlockendſte Kampfpreis, den zu erringen, zu genießen und zu zerſtören Guſtav vom See. Wogen des Lebens. III. 4