Teil eines Werkes 
3. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

nicht, daß dazu ein fröhliches und heiteres Geſicht gehört, wie es einer jungen und ſchönen Frau geziemt. Beginne bald mit deiner Toilette, fuhr er fort, nachdem er verge⸗ bens eine Zeit lang auf eine Erwiederung ſeiner letzten Aeußerung gewartet hatte, und ſei in einer Stunde bereit, ich werde dich dann abholen. Ich habe dir einige Came— lien beſorgt, die du in das Haar ſtecken kannſt.

Blumen? Wird das nicht zu auffällig ſein? fragte ſie wieder mit beſorgter Miene.

Ach, warum nicht gar, ſagte er ärgerlich; alle Damen tragen Blumen oder Kränze im Haar, du würdeſt auf⸗ fallen ohne dieſelben. Ich dachte, du würdeſt meine Sorg⸗ falt einmal anerkennen, denn friſche Camelien ſind das einfachſte, was du tragen kannſt— aber davon iſt nun feine Rede— ich bin auch bereits vollſtändig daran ge⸗ wöhnt. Alſo beeile dich und laß mich nicht warten.

Sie ſtand noch eine Zeit lang in tiefem ver⸗ loren, als er ſie verlaſſen hatte, dann ging ſie, ihr Braut kleid zu holen, welches bis jetzt die ganze Zeit unbe⸗ rührt gehangen hatte. Ein wehmüthiges, ſchmerziche Gefühl durchzitterte ihr Herz, als ſie es nun wieder un erſten Male in der Hand hielt. Der Glanz des Atlaſſes war an einzelnen Stellen der Bruſt leicht getrübt— an den Stellen, wohin ihre Thränen am Tage der Hochz gefallen waren— ihre Augen hafteten jetzt darauf, unt