Teil eines Werkes 
3. Band (1863)
Entstehung
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desliebe, der Liebe zu ihrem Vater, unter deſſen breiten und ſchützenden Schatten ſie ſelbſt aufgewachſen war. Der Knospe durfte ſie nicht warten und pflegen, aber des Baumes, in deſſen unmittelbarer Nähe dieſelbe ſtand— ſie gab ſich vielleicht dabei der ſüßen Täuſchung hin, daß ſie alle Sorgfalt und Liebe nur dem Baume zuwende und jene Knospe unbeachtet laſſe— können wir ſie deßhalb verdammen oder auch nur tadeln?

Als ſie ſich dann in erwachendem Bewußtſein an der Seite eines ungeliebten Gatten wieder fand, als es all⸗ mählich immer klarer und lichter vor ihre Seele trat, daß ihr Leben ein verfehltes und ihre Beſtimmung Dulden und Entſagen ſei— da wurde auch ihre Vergangenheit für ſie lichter und klarer, und die Erinnerungen an die kurze Zeit des in ihrem Herzen erblühten Lebensfrühlings ihr höchſtes Glück. Es war nicht mehr ein dunkles, ſelbſt nicht ver⸗ ſtandenes Gefühl, ſie war ſich bewußt geworden, was ihr hätte zu Theil werden kön nen,— und was nun für immer verloren blieb.

Der Menſch hofft ſo lange er lebt, und über das Leben hinaus. So war es auch mit Cäcilie. Sie wußte nicht, was ſie hoffte, aber ſie hoffte dennoch. Und als dann ihre Eltern kamen— ach, da lebten die Tage jenes kurzen Lebensfrühlings wieder lebendig in ihrem Herzen auf, wie oft, wie lange, ſich ſelbſt dabei tadelnd und verdammend, und doch ſich wieder dieſem ſchmerzlichen Glücke hingebend