Liebe und Zuneigung ausgehaucht, aber niemals bei der
künſtlich gemachten gefunden wird. Das harmloſe, faſt kindliche Gemüth des alten Erin
wurde dennoch getäuſcht, nicht ſo ſeine Frau. Sie erkannte,
daß Manches in der jungen Ehe nicht ſo ſei, wie es ſein ſollte, und daß Beide ſich bemühten, dies zu verheimlichen; er, weil er es vielleicht für beſſer hielt, ſie aus Liebe zu ihrem Vater, um keine Sorge ihretwegen bei ihm entſtehen zu laſſen. Sie ſchwieg daher gleichfalls gegen ihren Mann und ſtimmte in die Aeußerung der Freude über das Glück ſeines Kindes mit ein.
Als der alte Erin jedoch faſt eine Woche im Hauſe ſei⸗ ner Kinder ſich befunden hatte, fingen auch in ſeiner Seele einige Zweifel an aufzuſteigen, denn die Liebe hat immer ein ſcharfes Auge, und was ſie nicht ſieht, das ahnt und fühlt ſie.
Biſt du auch ganz glücklich, mein gutes Kind? fragte er daher einſt, als er ſich mit Cäcilie auf einem einſamen Spaziergange befand; die Zeit, in welcher du dich jetzt be⸗ findeſt, iſt die Blüthezeit des ganzen Lebens; ſie muß nicht nur die Gegenwart erfüllen, ſondern von ihrem Ueberfluſſe auch das Zurücklegen für die Jahre des Herbſtes und des Winters geſtatten. Biſt du auch recht und ganz glücklich? Gewiß, lieber Papa, erwiederte ſie mit etwas unſicherer Stimme, mir fehlt nur Eines, eure Gegenwart. Ach,


