Cäcilie hatte, ſeit der Tag der Ankunft ihrer Eltern feſtſtand, faſt keinen anderen Gedanken mehr. Noch nie war ſie ſo heiter, ſo lebendig, ſo thätig geweſen. Sie be⸗ ſchäftigte ſich faſt mit nichts Anderem, als mit den Anord⸗ nungen und Einrichtungen, welche ſie für nöthig hielt, um den Eltern den kurzen Aufenthalt ſo angenehm als möglich zu machen. Namentl lich war ſie bemüht, mit der größten, nur der Liebe eigenen Sorgfalt Alles für ihren Vater ſo einzurichten, daß er ſo weit als irgend möglich nichts von ſeinen gewohnten kleinen Bequemlichkeiten vermiſſe.
Leſſen hatte zu dem allem, wenn auch mit einer etwas gezwungenen Freundlichkeit, gelächelt und ſie gewähren laſſen. Er hatte mehr gethan und ſie ſogar deßhalb ge⸗ lobt, denn er konnte nicht umhin, den Ausdruck dieſer kind⸗ lichen Liebe bei ſeiner Frau anzuerkennen— im Stillen aber ärgerte er ſich darüber; denn er mußte ſich ſagen, daß die Liebe zu ihm, ihrem Manne, ſich zu einer ſolchen zarten und hingebenden Aeußerungsweiſe noch niemals aufge⸗ ſchwungen habe. Noch nie hatten die Augen ſeiner Frau ſo voll innerer Freude geglänzt, wie ſeit einigen Tagen, noch nie war ſie ſo lebendig, ſo mittheilſam, ſo ge⸗ weſen; ſie konnte wieder ſcherzen und ſingen, und ſelbſt das heitere fröhliche Lachen, welches ihn, ehe ſie ſeine Braut geworden, ſo oft entzückt hatte, war, wenn auch nur für kurze, flüchtige Momente, wieder zurückgekehrt.
Und jetzt, da er geſchäftsmüde und abgeſpannt nach
Guſtav vom See. Wogen des Lebens. III. 2


