binetsrath dem Volke als verſöhnendes Opfet Preis ge— geben wurde— vielleicht ſogar die Gräfin— wer konnte
bei dem ſchwankenden, veränderlichen Charakter des Fürſten
dafür einſtehen, daß nicht ein ſolcher Umſchlag erfolge? Jetzt hielt ihn gerade der Widerſpruch feſt, und der ihm innewohnende ſtarre Eigenſinn war die ſicherſte Bürgſchaft, daß er bei andauerndem Widerſpruche nicht nachgeben würde. Deßhalb widerrieth Leſſen jede gewaltſame Maß⸗ regel; er that dies in ſeiner gewohnten Weiſe, nicht gerade⸗ zu, ſondern durch Vermittlung der Gräfin, mit welcher er ſchon am Morgen eine lange und vertrauliche Unterredung gehabt, und zwar ſo, daß der Regent immer mehr oder weniger die Aenderung ſeiner Anſicht ſich ſelbſt beimeſſen mußte. Auch der Geheimerath von Stuhm erſchien zur beſtimmten Zeit und wurde zum erſten Male wieder in den engeren Rath des Fürſten aufgenommen. Man bedurfte ſeiner und vergaß daher wenigſtens für den Augenblick, daß man dies bis jetzt nicht gethan hatte. Die treue An⸗
hänglichkeit des Geheimenrathes an das Haus ſeines Fürſten
ließ ihn die ihm widerfahrenen Kränkungen ebenfalls ver⸗ geſſen. Unbefangen und offen, wie es ſeine Art war, ſprach er ſeine Meinung aus, die, jeder Gewaltmaßregel entgegen, dahin ging, man ſolle den ganzen Vorfall mög⸗ lichſt ignoriren, ſelbſt von weiteren polizeilichen und ge⸗ richtlichen Unterſuchungen abſtehen und die Zeit ruhig wirken laſſen.


