— 214—
der Regent heute Morgen den gedachten Schritt thun wird, weiß ich; das Andere habe ich nur als ein Gerücht bezeichnet; man wird deßhalb wahrſcheinlich ſelbſt noch nicht einig ſein.
So wollen wir das Beſte hoffen, bemerkte der Ge⸗ heimerath nicht ohne ſichtliche Unruhe— Ihre Hoheit die Frau Fürſtin wird nachgeben, wird ſich nicht länger weigern; es iſt ſchon des allgemeinen Friedens wegen
nöthig.
Meinen Sie? bemerkte der Andere mit einem un— gläubigen Lächeln— nun, wir müſſen es jedenfalls abwarten.
Ein Klopfen an der Thür, dem das Oeffnen derſelben ſofort folgte, unterbrach die Unterredung, und Leſſen trat in der ungezwungenen Weiſe eines Mannes ein, der ſich bewußt iſt, die üblichen formellen Rückſichten unbeachtet laſſen zu können.
Guten Morgen, meine Herren, ſagte er leichthin— es freut mich, Sie hier zu finden, wandte er ſich an den anderen Miniſterialrath— entſchuldigen Sie mich einen Augenblick, Herr Geheimerrath, fuhr er fort, indem er, ohne die weitere Antwort abzuwarten, mit dem Anderen in eine entfernte Fenſterniſche trat.
Es iſt möglich, ſagte er dann in leiſem, aber beſtimm⸗ tem Tone, es iſt möglich, daß man heute wieder den


