Teil eines Werkes 
2. Band (1863)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 184—

in deinem Köpfchen aufſteigen, ſo werde ich glauben

müſſen, du liebteſt mich nicht mehr, denn ohne Vertrauen gibt es keine Liebe. Ich vertraue dir, ich vertraue dir, flüſterte ſie leiſe, und

wenn ich dich gekränkt, ſo vergib mir, nur meine Liebe war die Sünderin.

Der Menſch kann ja nicht ſein ohne Sünde, ſo will ich denn auch dieſe holde Sünderin hoch und werth halten, und nie von ihr laſſen, bis ich ſterbe!

Ich danke dir, Eduard, ſagte ſie, ihn küſſend, ich danke

dir— du machſt mich ſehr glücklich.

Du haſt mir aber immer noch keine Antwort auf meine Frage gegeben, ſagte er nach einiger Zeit.

Ach, du meinſt Leſſen— ich habe wirklich nicht mehr daran gedacht; iſt dir ſo viel daran gelegen?

Ich wünſche es.

Nun, ſo mache ihn zum Cabinetsrathe.

Was beſtimmt dich zu dieſer Antwort?

Was mich dazu beſtimmt? Es iſt wirklich ſchwierig, dir dieſe Frage zu beantworten, und wenn ich offenherzig ſein ſoll, ſo weiß ich es ſelbſt nicht. Wir Frauen handeln ja immer mehr oder weniger nach Gefühlen, fuhr ſie mit einem faſt muthwilligen Lächeln fort, der Verſtand und die daraus hervorgehende Ueberlegung iſt die Sache des Man⸗ nes. Ich weiß daher auch nicht, ob die Umſtände, oder

wie du das ſonſt nennſt, es angemeſſen machen, meinen