Nun werden wir bald fahren, mein geliebtes Kind, flüſterte die Frau Wehring, du mußt gefaßt und heiter ſein, wie es einer glücklichen Braut geziemt.
Wenn du mir eine Bitte erfüllen willſt, bat Margot leiſe, ſo laß mich vorher ein einziges Mal mein Zimmer ſehen, aber allein, fügte ſie noch leiſer hinzu.
So komm, mein Kind, wir kehren ſogleich zurück— ſagte ſie zu Walther, der ſie unruhig anſah— nur einen Augenblick!
Eilig flog ſie die bekannte, jetzt mit Blumen ge⸗ ſchmückte Treppe hinan— auch die Thür des Zimmers war mit Guirlanden bekränzt; mit zitternder Hand öffnete ſie und ſtand nun in dem Raume, in welchem ſie ſo glückliche, ſelige Stunden verlebt, die wundervollen Träume ihrer Mädchenzeit geträumt hatte, welche nun alle die nächſte Stunde zur Erfüllung bringen ſollte.
Voll der tiefſten Bewegung ſchweifte ihr Auge von einem Gegenſtande zum andern— es war ihr in dieſem Augenblicke, als wäre ſie gar nicht fortgeweſen, oder als ob ſie geträumt habe oder jetzt träume.—
Walther wartete voll Ungeduld, dann ſuchte er ſie. Leiſe öffnete er die Thür und ſah ſie betend knieen auf der⸗ ſelben Stelle, wo ſie ſo oft gebetet hatte, während die Thränen ihre gefalteten Hände benetzten.— Ungehört trat er näher, und als er ſie dann umſchlang, ſie zu ſich


